Gänswein: Ein Nuntius ist ein Handwerker der Diplomatie
Erzbischof Georg Gänswein sieht seine Arbeit als Apostolischer Nuntius als die eines "Handwerkers der Diplomatie". Bei einem Vortrag an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie identifizierte der Nuntius in Litauen, Estland und Lettland am Samstag drei Kernbereiche, die die Tätigkeit päpstlicher Gesandter ausmachen: das Beziehungsgeflecht zwischen Rom, Bischöfen und Gläubigen, das diplomatische Protokoll und das Prinzip der Vertraulichkeit. "Eine verlässliche und wirkungsvolle Diplomatie erfordert die robuste Standfestigkeit eines erfahrenen Handwerkers und den festen Blick für das große Ganze, immer in dem Wissen, dass auch der nobelste Auftrag auf Erden stets mit der Schwerkraft staatlicher und kirchlicher Bürokratie ringen muss", fasste Gänswein seine Sicht auf sein Amt zusammen.
Der Austausch und die kontinuierliche Kontaktpflege mit den Ortsbischöfen seien ein zentraler Bestandteil der täglichen Arbeit. "Hinzu kommt die unbedingte Notwendigkeit, offene Ohren und offene Augen zu haben für die Anliegen der Gläubigen", so Gänswein. "Der Nuntius sollte als sensible Brücke und geschätzter Resonanzbogen fungieren und durch einen vertrauensvollen Dialog dafür sorgen, dass die konkreten Realitäten des kirchlichen Lebens vor Ort in der Diözese und die weltkirchlichen Perspektiven nicht oder nicht zu sehr auseinanderdriften." Dafür sei ein respektvoller Umgang mit den Gläubigen und den Bischöfen ebenso wichtig wie der direkte, diskrete Draht nach Rom. Wichtig sei aber, dass das Handeln des Nuntius weder zu einer "bloß administrativen Aktenführung" verkomme, noch in eine "Hyperpastoral" ausarte.
Feingefühl und Diskretion
In der Diplomatie sieht Gänswein den päpstlichen Nuntius stets auf einem "sensiblen, mitunter glatten Parkett": "Er muss die Kunst lernen, klare Grundsatzpositionen zu vertreten und katholische Werte zu vermitteln, ohne dabei in einem belehrenden Tonfall zu verfallen." Nach dem Grundsatz "klar in der Sache, mild in der Art" werde ein Nuntius der Politik nicht die Leviten lesen: "Er tritt nicht provokativ auf, sondern versucht mit Feingefühl seine Netze auszuwerfen und den guten Samen auszusäen."
Gänswein betonte die Bedeutung der Vertraulichkeit: Während das politische Umfeld oft zu schnellen Reaktionen öffentlicher Inszenierung dränge, operiere der Nuntius mit Taktgefühl im Hintergrund. "Anstatt im Minutentakt Schlagzeilen auf den sozialen Medien zu produzieren, wird beharrlich und geduldig gearbeitet, bis Ergebnisse greifbar und präsentierbar sind. Das ist kein Mangel an Transparenz, sondern ein großes Prinzip diskreter diplomatischer Kärrnerarbeit", betonte der Erzbischof.
Gänswein hielt den Vortrag zu Recht, Sendung und gelebter Wirklichkeit des Amts des Apostolischen Nuntius anlässlich der Veröffentlichung der kanonistischen Schriften seines 2023 verstorbenen Doktorvaters Winfried Aymans. Der aus der Erzdiözese Freiburg stammende Gänswein war von 2003 an Privatsekretär von Kardinal Joseph Ratzinger und blieb es während und nach dem Pontifikat Benedikts XVI. (2005–2013, gestorben 2022). Ab 2012 war er Präfekt des Päpstlichen Hauses, im selben Jahr wurde er zum Bischof geweiht. Unter Papst Franziskus (2013–2025) blieb er zunächst Präfekt, war aber ab 2020 beurlaubt; 2023 schied er aus dem Amt aus. 2024 ernannte ihn Franziskus zum Apostolischen Nuntius in Litauen, Estland und Lettland.