Gebete, wo die Worte fehlen
Am Sonntag feierte der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, eine Messe in der Kathedrale Notre Dame als Requiem für die Todesopfer. Zur Gabenbereitung ließ der Organist dabei das kämpferische Revolutionslied "Marseillaise" anklingen, die Nationalhymne der französischen Republik. Zugleich wandte sich die Erzdiözese Paris auf Facebook mit einem einfachen Gebet an ihre Kathedralpatronin: "Unsere Liebe Frau von Paris, bitte für uns!".
Von einfachen Worten des Gebets waren auch die Beiträge der deutschen Bistümer in den Sozialen Netzwerken vom Wochenende geprägt. Tausende Nutzer teilten von verschiedenen Seiten ein Bild des Erzbistums Bamberg.
Der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, ließ seinem Amtsbruder Vingt-Trois am Sonntag ein Kondolenzschreiben zukommen. Mit den Katholiken seines Bistums trauere um die Toten und spreche dem Pariser Erzbischof sein "zutiefst empfundenes Beileid" aus. "Wir fühlen uns Ihrem Erzbistum, der Stadt Paris und allen Franzosen in diesen schweren Stunden ganz besonders nahe", heißt es im Schreiben weiter. "In österlicher Zuversicht" bete Koch für die Toten von Paris.
Der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) reagierte am Sonntag auf Facebook mit einer Resolution. Darin heißt es, der Verband wolle sich "mit aller Kraft für Frieden und Verständigung" einsetzen.
Der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, rief am Samstag zum Gebet auf. "Angesichts der fassungslos machenden Anschläge von Paris vertraue ich und vertrauen Viele erst recht auf das Gebet", sagte er in einer Video-Botschaft auf Facebook. Beten wolle er für die Toten und ihre Angehörigen ebenso, wie für die Täter, denen er Bekehrung wünsche.
Ohne Worte kam der Beitrag des Bistums Görlitz aus.
Der Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, entzündete am Samstagmorgen im Hildesheimer Dom Kerzen für die Toten. "Wenn uns die Worte fehlen, müssen wir Symbole sprechen lassen", sagte er laut einer Mitteilung des Bistums.
Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, wandte sich ebenfalls mit einem Video auf Facebook an die Öffentlichkeit. "Wir stehen an der Seite an unserer französischen Freunde", sagte er bei seiner Gebetseinladung. Das unfassbare Geschehen des Terrors könne nicht in menschliche Worte gefasst werden. "Wir können im letzten uns hier nur an einen Größeren wenden", so Woelki.
Auch der Apostolische Administrator des Bistums Limburg, Weihbischof Manfred Grothe, rief die Gläubigen zum Gebet auf. "Angesichts der schrecklichen Taten in Paris fehlen uns die Worte und wir fragen uns, warum wieder so viele unschuldige Menschen sterben mussten", sagte er laut einer Mitteilung der Diözese. Das Gebet sei der Weg der Christen, Unfassbares vor Gott zu tragen.
Die Teilnehmer des diözesanen Weltjugendtags im Bistum Mainz gedachten am Sonntag der Toten von Paris mit einem Friedensgebet. An dem Gebet nahm auch Weihbischof Udo Bentz teil.
Alle Christen im Bistum Münster rief Bischof Felix Genn auf, sich im Gebet an Gott zu wenden. Darin seien sie Verbunden mit Opfern und ihren Angehörigen, hieß es in einer Mitteilung der Diözese vom Samstag. "Wir wollen aber auch für uns selbst bitten, dass wir die Kraft finden, uns immer und überall gegen Hass, Hetze und Menschenfeindlichkeit zu wenden", so der Bischof.
Die Anschläge von Paris sind ein Angriff auf Werte wie Menschenwürde und Nächstenliebe, sagte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart Gebhard Fürst. So habe der Terror ganz Europa ins Mark getroffen. Ausdrücklich wandte er sich trotz des islamistischen Hintergrunds der Taten gegen eine feindliche Haltung gegenüber dem Islam.
Das Bistum Trier bediente sich am Montag der Worte des Theologen Stephan Wahl. Der Bitte um das Gebet für den Frieden stellten die Trierer ein Gedicht des ehemaligen Sprechers des "Wort zum Sonntag" zur Seite.
Mit einem Vers aus dem Psalm 34 rief das Bistum Würzburg am Sonntag zum Gebet für den Frieden auf. "Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind", heißt es in dem Psalm an anderer Stelle.