Geistlicher Gipfelstürmer
Noronha, der dem Dominikanerorden angehört, verweist auf eine alte Frau, die er regelmäßig trifft. "Sie dankt jeden Tag, wenn sie aufsteht, Gott für den Segen, den der Berg der Talschaft bringt." Als junge Frau habe sie das harte Dasein einer Bergbauernfamilie erlebt. Heute schaffe der Tourismus viele Jobs und trage entscheidend zu der Lebensqualität der Menschen bei, die hier Urlaub machten und wohnten.
Die meisten Touristen kämen wegen des Matterhorns. "Natürlich", sagt Noronha. Auf seinen Wanderungen, mit denen er sich auf seine Erstbesteigung des "Horu", wie das Matterhorn bei den Einheimischen heißt, vorbereitet, trifft er nicht nur auf sensationshungrige Touristen oder Alpinsportler, sondern immer wieder auf Menschen, die dem Berg auch eine andere Seite abgewinnen.
Symbol der Würde
Die markante Felspyramide, die vor der Erstbesteigung vor 150 Jahren vielen Menschen Angst eingeflößt habe, könne heute auch als Symbol der Würde gedeutet werden, erläutert der Seelsorger. Er kenne bereits einige Personen, die regelmäßig nach Zermatt reisten, um in innerer Einkehr den Kreuzweg zu gehen, der vom "Schibuwäldii" zur Winkelmatten-Kapelle hinaufführt. Und dann gebe es da noch die "Kapellenwanderung", die der Zermatter Pfarrer Stefan Roth im Sommer jeweils am Mittwoch zu zwölf Kapellen rund um den Ort durchführe.
Für Noronha selbst ist das Matterhorn ein Sinnbild für Stille, aber auch für Befreiung. "Wenn jemand auf den Berg steigt, dann muss er vieles loslassen: überflüssiges Gepäck, aber auch spirituell." Insofern sei das Wandern in den Bergen für ihn eine "körperliche und eine geistige Erholung", sagt der Vikar.
Den berühmten Berg fest im Blick
In Zermatt ist Noronha hauptsächlich für die einheimische Bevölkerung ein Ansprechpartner. Das indigene "Walliserditsch" versteht er bereits gut. Im Tal werde ein traditioneller Katholizismus gepflegt, sagt er. "Das gefällt mir". Für die Touristen, die gerade zum 150-jährigen Jubiläum der Erstbesteigung in Scharen erwartet werden, bietet er Gottesdienste in Englisch an.
Es sei auch schon vorgekommen, dass er auf Wunsch von Angehörigen eine Messe für einen Mann feierte, der am Matterhorn abstürzte, erinnert sich der Seelsorger. Jedes Jahr können Gipfelaspiranten bei einem Gottesdienst Seil, Pickel und Steigeisen segnen lassen. Wann der Vikar selbst zur großen Tour aufbricht, weiß er noch nicht. Den berühmten Berg, der sich gleich hinter Zermatt erhebt, hat er so oder so fest im Blick.