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Uwe Bork über das Treffen von Papst Franziskus und Donald Trump

Gewissensfragen

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Schachfigur
Bonn - Uwe Bork über das Treffen von Papst Franziskus und Donald Trump

Friedensarbeit sei eine Handwerkskunst: Auf seinem Rückflug aus Portugal wählte Papst Franziskus einmal wieder kleine Worte für große Aufgaben. Der Pontifex dürfte das ebenso mit Bedacht getan haben wie er einst polternd diagnostizierte, Teile der Kurie litten unter "spirituellem Alzheimer". Wird ihm doch Donald Trump, für den sich heute die Türen des Vatikans öffnen, bei seiner bewusst bodenstämmigen Aussage über die Anforderungen globaler Friedensbewahrung vermutlich zunächst zustimmen, da sie seinem Selbstbild als zupackendem Erfolgstyp sehr entgegenkommt.

Im weiteren Verlauf des Treffens dürften schwerwiegende Differenzen bei der Einschätzung der Lage und den notwendigen Schritten zu ihrer Verbesserung dann allerdings nicht mehr auszuschließen sein. Während nämlich der derzeitige Herr im Weißen Haus dazu neigt, zur Lösung politischer Probleme jedweder Art vor allem schwere und schwerste Hämmer aus seinem präsidialen Werkzeugkasten zu holen, bevorzugt der Gottesmann in der weißen Soutane in der Regel eher feinmechanische Instrumente zum Justieren der diversen Schrauben im komplizierten Gefüge der Schöpfung. Verkehrte Welt: Der säkulare Politiker ruft im nuancenlosen Schwarz/Weiß zum Endkampf zwischen Gut und Böse auf, das religiöse Oberhaupt verteidigt dagegen die Zwischentöne und setzt auf Barmherzigkeit.

Die beiden so verschiedenen Männer sind vermutlich weit davon entfernt, als auch nur ziemlich beste Freunde in die Geschichte einzugehen. Während der Papst als Reaktion auf Trumps Mauerbaupläne an der mexikanischen Grenze diesem ehedem die Christlichkeit absprach, verbat sich jener jedes römische Urteil über seine Glaubensfestigkeit.

Und – so schwer mir diese Feststellung angesichts der trumpschen Politik auch fällt – ich kann den Mann mit der Tolle verstehen. Die Vermischung von Glaube und Politik hat in der langen Geschichte des Papsttums schon die verheerendsten Auswirkungen gehabt; die Kirche hat sie manchmal nur knapp überlebt.

Aber darum geht es ja auch gar nicht. Franziskus ist viel zu klug, um sich ins politische Tagesgeschäft zu drängen. Was wir von ihm erwarten können, ist vielmehr, mit dem amerikanischen Präsidenten wie mit allen anderen Politikern immer wieder über die ethischen Konsequenzen ihres Handelns zu sprechen. Früher nannte man das auch: ihnen ins Gewissen zu reden.

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