„Gib' mir Deine Krone, Christus“
Gonzalez äußerte sich tief bewegt. "Der Tod ist nicht das Ende des Lebens, er öffnet den Weg zu einem glückseligen Leben bei Gott, unserem Vater", so der Bischof.
Chavez war am Dienstag im Alter von 58 Jahren in der Hauptstadt Caracas nach einer langen Krebserkrankung gestorben. Die Todesnachricht wurde von Vize-Präsident Nicolas Maduro in einer Rundfunkansprache verkündet. Weltweit löste die Nachricht vom Tod des Staatschefs Betroffenheit aus.
Als die Menschen im Land vom Tod des Präsidenten erfahren hätten, hätten sie geweint, getrauert und gebetet, sagt Reiner Wilhelm, Länderreferent für Ecuador, Chile und Venezuela bei Adveniat, dem Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Besonders für die Armen im Land sei Chavez eine charismatische Führungsfigur gewesen. "Er hatte sie zum Subjekt seiner Politik gemacht", so Wilhelm. Zwar habe er an der Situation der Armen nichts geändert, doch hätten sie sich durch ihn als wertig gefühlt.
Der "Comandante" Chavez war erst am 18. Februar nach über zwei Monaten Behandlung von Kuba nach Caracas zurückgekehrt. Am Montag hatte sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert. Seit 1999 war Chavez Staatspräsident von Venezuela. Am 7. Oktober 2012 war er mit über 55 Prozent der Stimmen bis 2019 im Amt bestätigt worden. Auch die Opposition erkannte den Sieg rückhaltlos an. Allerdings hatte Chavez am 10. Januar 2013 sein Amt schon nicht mehr antreten können, weil er in Havanna ans Krankenbett gefesselt war.
Vor allem vor der Krebserkrankung war das Verhältnis des Präsidenten zur katholischen Kirche gespannt. Adveniat-Experte Wilhelm erklärt dies mit der Streichung von finanziellen Mitteln an die Kirche durch den Staat. Infolgedessen hätte Adveniat auch verstärkt Anträge auf finanzielle Unterstützung von den lokalen Projektpartnern erhalten.
Indirekte Rücktrittsaufforderung
Die Bischöfe wiederum hatten dem Politiker in der Vergangenheit vorgeworfen, das Land in eine Diktatur zu führen. In jüngster Zeit war das Verhältnis ein wenig besser geworden. Zwar hatte zu Beginn der Fastenzeit Mitte Februar der Erzbischof von Caracas, Kardinal Jorge Urosa Savino, die Gläubigen zum Gebet für Chavez' Gesundung aufgerufen. Zugleich hatten die Bischöfe dem Präsidenten ob seiner schweren Erkrankung indirekt den Rücktritt nahe gelegt.
So ging der Vorsitzende der Venezolanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Diego Padron (73) von Cumana, anlässlich der Rücktrittserklärung von Benedikt XVI. Mitte Februar auch indirekt auf die politische Situation in dem südamerikanischen Land ein. Mit Blick auf Chavez, der zu diesem Zeitpunkt seit zwei Monaten nicht mehr öffentlich aufgetreten war, hatte Padron gesagt: "Mit seinem Rücktritt gibt der Papst ein gutes Beispiel. Sein Körper gibt nicht mehr her. Es gibt keine Macht nur um der Macht willen. Damit will ich sagen: Die Kirche wird nicht von Menschen regiert, sondern von Christus."
Chavez selbst hatte seine Politik und sein Handeln mitunter auch mit religiöser Rhetorik unterlegt. So sagte er, bereits erkrankt, bei einer Messe im April 2012: "Gib' mir Leben, Gott, auch wenn es ein schmerzhaftes, brennendes Leben ist. Das kümmert mich nicht. Gib' mir Deine Krone, Christus. Gib' sie mir, dass ich blute, gib' mir Dein Kreuz, hundert Kreuze, die ich trage, aber gib' mir Leben. Nimm' mich noch nicht, gib' mir Deine Dornen, gib' mir Dein Blut, das ich bereit bin, zu tragen aber mit Leben, Christus, mein Herr. Amen." (mit Material von KNA und dpa)
Von Christoph Meurer