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Kirchen verurteilen das gewaltsame Vorgehen der Regierung in Kiew

"Gott wird das Böse bestrafen"

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Ein Mann vor einer Feuerwand
Kiew - Ukrainische Kirchen haben das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Regierungsgegner in der Hauptstadt Kiew scharf verurteilt. Der orthodoxe Kiewer Patriarch Filaret betonte am Dienstagabend, Gott kenne alle, die "verbrecherische Befehle" gegeben hätten. "Gott wird das Böse bestrafen; niemand wird der Strafe entgehen."

Das Kirchenoberhaupt forderte einen sofortigen Stopp der Gewalt. Er rief Staatspräsident Viktor Janukowitsch und die Oppositionsführer auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein "positives Ergebnis" zu erzielen. Janukowitsch trage die Hauptverantwortung für die Entwicklung.

Der griechisch-katholische Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk ordnete am Dienstagabend an, wegen der "Gefahr des Brudermordes" alle Kirchenglocken zu läuten. "Im Namen Gottes verurteile ich Gewalt und die Missachtung von Menschenrechten und des Willens des Volkes", hieß es in einer schriftlichen Erklärung des Oberhaupts der mit Rom verbundenen ukrainischen Kirche. Die Machthaber trügen die volle Verantwortung für das, was im Land passiere.

Bei schweren Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und Polizisten kamen seit Dienstagnachmittag in Kiew laut Regierungsangaben 25 Menschen ums Leben. Darunter seien neun Polizisten und ein Journalist. Spezialeinheiten hatten in der Nacht zum Mittwoch den Unabhängigkeitsplatz (Maidan), den zentralen Ort des Protests gegen die Regierung, gestürmt und zum Großteil geräumt.

Schwerverletzte in orthodoxer Michaelskirche versorgt

Ärzte versorgten und operierten Schwerverletzte unter anderem in der orthodoxen Michaelskirche. Aus dem in Brand geratenen Gewerkschaftshaus, dem Hauptquartier der Opposition, war die Krankenstation in das in der Nähe des Maidan gelegenen Gotteshaus verlegt worden. Auch in der griechisch-katholischen Kathedrale der Haupstadt wurde ein Lazarett eingerichtet.

Ein Priester spricht durch ein Megaphon zu den Polizisten und den Demonstranten in Kiew.
Ein Priester spricht durch ein Megaphon zu den Polizisten und den Demonstranten in Kiew.

Auf dem Maidan wurde auch eine vor mehr als zwei Monaten von griechisch-katholischen Priestern errichtete Zeltkapelle zerstört. Die Spezialtruppe "Berkut" der Polizei habe sie angezündet, teilte die Kirche am Mittwochmorgen unter Berufung auf Aktivisten mit. In der Zeltkapelle hatten auch orthodoxe und römisch-katholische Priester mehrmals täglich Gottesdienste gefeiert.

"Es ist besorgniserregend", sagte Peter Ullrich von der deutschen katholischen Gemeinde in Kiew am Mittwoch katholisch.de. Und: "Es gibt erste Gedankenspiele, die Ukraine in zwei Teile zu zerreißen." Da der Präsident nicht kompromissbereit sei, gebe es scheinbar keine andere Lösung. Momentan herrsche zwar Waffenruhe, doch hätten auch die Verhandlungen der letzten Nacht nichts ergeben, so Ullrich.

Erstmals in der Geschichte der Ukraine blieb die Metro geschlossen

Dennoch hätten sich noch einmal große Menschenmengen auf dem Maidan versamme, so Ullrich weiter. Erstmals seit Bestehen der Ukraine sei jedoch die Metro – die Kiewer U-Bahn – am Mittwochmorgen geschlossen gewesen. Die Regierung kontrolliere zudem die Einfahrtsstraßen in die Stadt, "damit es heute keine neuen Demonstrationen gibt", so Ullrich. Der Großteil der Menschen versuche jedoch trotz allem, "das Leben so normal wie möglich zu gestalten".

Präsident Janukowitsch spricht unterdessen in einer Mitteilung an sein Volk von "großem Schmerz" und einer "Tragödie". Er verteidigte aber auch den Einsatz von Gewalt. Die Opposition habe die "Grenzen überschritten", als sie ihre Anhänger auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew "zu den Waffen gerufen" hätte. Es handle sich um "Kriminelle, die vor Gericht gehören".

Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko zeigte sich enttäuscht über den ergebnislosen Verlauf des nächtlichen Krisentreffens. Janukowitsch reagiere unpassend auf die Lage. Der prorussische Präsident müsse die Einheiten sofort zurückziehen. Weitere Gespräche mit Janukowitsch schloss Klitschko vorerst aus. "Welche Verhandlungen kann es geben, wenn Blut vergossen wird?", sagte der Ex-Boxchampion. (bod/KNA/dpa)

Aktuell: Franziskus fordert friedliche Lösung

Papst Franziskus hat ein Ende der Gewalt in der Ukraine gefordert. Die Ereignisse in der Hauptstadt Kiew verfolge er mit besorgtem Herzen, sagte Franziskus bei seiner Generalaudienz am Mittwoch auf dem Petersplatz: "Ich ermutige alle Parteien, alle Gewalt zu beenden und Eintracht und Frieden für das Land anzustreben." Er sei dem ukrainischen Volk nahe und bete für die Opfer der Gewalt und ihre Familien. (KNA)

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