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Warum die Benediktiner nach der Erdbebenkatastrophe wieder hoffen

Gottes Freundschaft inmitten der Trümmer

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Benediktinermönche mit Schutzhelmen vor der eingestürzten Basilika St. Benedikt in Norcia, Mittelitalien.
Norcia - Erdbeben im Oktober haben in Norcia fast alles zerstört: Auch die Benediktiner sind betroffen, ihre Basilika eingestürzt, die Gebäude unbewohnbar. Bruder Basil Nixen erzählt, wo sie jetzt leben und wie sie den Einwohnern helfen.

Frage: Bruder Basil, Sie und Ihre Mitbrüder leben in einem Kloster in Norcia in Mittelitalien, in der im vergangenen Herbst mehrfach stark die Erde bebte. Wie ist die Situation zurzeit?

Bruder Basil Nixen: Die Einwohner von Norcia durchleben gerade eine schwere Zeit. Viele Menschen sind traurig, weil sie nicht nur ihr Zuhause und ihren Betrieb verloren haben, sondern dazu ein ganzes Kulturerbe an Kirchen und historischen Gebäuden. Traurig macht sie auch, dass sie nicht durch ihre Stadt laufen können, weil vieles zerstört oder einsturzgefährdet ist. Dazu kommt, dass die Wirtschaft der Stadt vor allem auf den Tourismus angewiesen ist und es Jahre dauern wird, bis die Stadt so wiederhergestellt ist, dass man Touristen wieder willkommen heißen kann. Dieser düstere Ausblick macht es zusätzlich schwer für die Einwohner, Hoffnung zu finden. Unsere Klostergemeinschaft ist eine von vielen Familien Norcias, die Schätze verloren hat. Sie zu ersetzen wird schwer bis unmöglich sein.

Frage: Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Bruder Basil: Unsere Klostergemeinschaft, wie alle anderen  auch, lebt in provisorischen und daher oft herausfordernden Verhältnissen. Wir warten darauf, dass die Erschütterungen aufhören, damit wir etwas Dauerhafteres aufbauen können. Dennoch haben wir Mönche viele Gründe, Gott zu danken: Zunächst dafür, dass wir und alle Einwohner von Norcia noch leben. Durch diese Erfahrung haben wir begriffen, dass Gott uns auf unzählige Arten gesegnet hat – und es auch weiterhin tut. Dinge, die wir zuvor nicht genügend geschätzt haben, zum Beispiel unser gemeinsames und unser liturgisches Leben, unser klösterlicher Gehorsam, werden nun viel leichter wertgeschätzt. Es ist vor allem Gottes Anwesenheit und die Freundschaft mit ihm, die inmitten dieser zerstörerischen Kräfte ernsthafter gesucht wurden. Sie spenden uns mitten in der Krise Trost, Stabilität und sogar Freude. Wir beten, dass die Menschen aus Norcia denselben Trost finden können.

Ein Mönch begutachtet eine Wand der Kloster-Bibliothek, die eingestürzt ist.
Die Bibliothek in der Klosteranlage der Benediktiner hat großen Schaden genommen.

Frage: Welche Auswirkungen hatte das Erdbeben auf das Kloster und die Gebäude in Norcia?

Bruder Basil: Unsere Klosterkirche, die Basilika des Hl. Benedikt, wurde durch das Erdbeben am 30. Oktober fast ganz zerstört. Mit Ausnahme der Fassade und von Teilen der Apsis liegt das Gebäude in Trümmern. Ein bedeutender Teil unseres Klosters war an die Basilika angebaut. Das führte dazu, dass einiges zusammen mit der Kirche einstürzte. Der Rest des Gebäudes, der schon von den Beben am 24. August und 26. Oktober schwer geschädigt worden war und jetzt ohne die Stütze der Basilika dasteht, ist in einem sehr instabilen und gefährlichen Zustand. Er wird höchstwahrscheinlich abgerissen werden müssen. Daher mussten wir den Standort unseres Klosters vorläufig auf ein Grundstück verlegen, das sich auf einem Berg oberhalb der zerstörten Stadt und außerhalb der Stadtmauern befindet. Auf diesem Grundstück, das als San Benedetto in Monte bekannt ist und einst Kapuziner-Brüdern gehörte, haben wir angefangen, einige hölzerne Gebäude zu bauen, die als unser provisorisches Kloster dienen können. Hier führen wir unser gemeinschaftliches Leben in Gebet und Arbeit fort.

Frage: Und was hat sich dadurch an Ihrem Tagesablauf geändert?

Bruder Basil: Unser Gebetsleben ist das gleiche geblieben – ein intensiver und voller Stundenplan der liturgischen Anbetung, verflochten mit spirituellen Lesungen und persönlichem Gebet –, während sich unser Arbeitsleben erheblich geändert hat. In der Stadt war es maßgeblich bestimmt von der Anbindung an die Basilika und unserer Anwesenheit in der Stadt: Wir arbeiteten größtenteils im Bereich der Gastronomie für Gäste und Pilger sowie in der Seelsorge für Menschen mit Konferenzen, spiritueller Begleitung und der Beichte. Dazu kam ein vielfältiges, aber anspruchsvolles liturgisches Apostolat in der Basilika. Zusätzlich betrieben wir eine traditionelle Brauerei in der Klosteranlage nach der Tradition der belgischen Klosterbiere. Unsere Mönche betrieben alle Stationen der Brauerei - eine anspruchsvolle Arbeit.

Jetzt, wo wir weder die Basilika haben noch in der Stadt leben, sind die Aufgaben im Bereich der Pastoral und der Gastronomie um einiges weniger geworden. Und obwohl die Brauereianlage durch die Erdbeben keinen wirklichen Schaden genommen hat, können wir dort nicht arbeiten, weil das Gebäude, in dem sie steht, stark beschädigt wurde. Wir müssen also vorerst unsere Brauereitätigkeiten einstellen, bis wir ein provisorisches Gebäude außerhalb der Stadtmauern finden, das es uns erlaubt, wieder zu brauen. Unsere Arbeit in San Benedetto in Monte besteht im Moment größtenteils aus handwerklichen Tätigkeiten im Freien. Wir arbeiten am Erhalt der historischen Klostergebäude der Kapuziner und an unseren provisorischen Gebäuden. Dazu kommen Aufgaben wie die Gemeinschaftsverpflegung und die Innenreinigung.

Die Basilika St. Benedikt ist bis auf die Fassade eingestürzt.
Die Überreste der eingestürzten Basilika St. Benedikt wurden inzwischen abgesichert.

Frage: Sie haben die Kampagne "Deep Roots", "Tiefe Wurzeln",  gestartet, um Norcia wieder aufzubauen. Wofür steht dieser Name und was sind die Ziele?

Bruder Basil: Einige Wochen nach dem ersten Erdbeben vom 24. August haben wir die Kampagne gegründet, um den Wiederaufbau der zerstörten Klostergebäude zu finanzieren. Die Beben vom 26. und 30. Oktober, die unvorstellbare Zerstörungen verursachten, haben noch einmal gezeigt, wie wichtig unsere Kampagne für unsere Gemeinschaft ist. Das Hauptanliegen ist, die Präsenz unserer Gemeinschaft hier in Norcia, am Geburtsort des Heiligen Benedikt, zu stärken und zu vertiefen. Das soll das Bild der "tiefen Wurzeln" veranschaulichen: Genau wie ein Baum starke Wurzeln braucht, um Jahre voller Wind, Regen und sogar Erdbeben zu überstehen, braucht auch eine klösterliche Gemeinschaft viel Unterstützung, damit sie Wurzeln schlagen kann, um die Wechselhaftigkeiten des Lebens und der Natur zu überstehen. Wir hoffen, dass diese Kampagne helfen kann, uns mit einem sicheren, starken und ästhetisch ansprechenden Kloster und einer anständigen Brauerei auszustatten, damit wir uns wieder mehr einem Leben voller Gebet und Heiligung für die Kirche und die Welt widmen können.

Frage: Sie und Ihre Mitbrüder haben auch einen Kalender für 2017 zusammengestellt. Wie kam es dazu?

Bruder Basil: Der Kalender ist als kostenloser Download auf unserer Seite verfügbar, damit mehr Menschen darauf zugreifen können. Die Fotos dafür wurden zu verschiedenen Zeitpunkten das ganze Jahr über von Mitbrüdern und Freunden aufgenommen. Es ist für uns eine Möglichkeit, ein bisschen von unserem Leben mit unseren Familien und Freunden überall auf der Welt zu teilen, euch in unser Leben des Gebets, der Arbeit und der Brüderlichkeit einzubeziehen.

Das Kreuz der nun zerstörten Basilika.
Das Kreuz der nun zerstörten Basilika. Es soll kostenlos restauriert werden.

Kreuz soll kostenlos restauriert werden

Die Vatikanischen Museen wollen einige Kunstwerke, die bei den Erdbeben in Italien beschädigt worden sind, kostenlos restaurieren. Wie Radio Vatikan am Donnerstag meldete, war die neue Direktorin der Vatikanischen Museen, Barbara Jatta, in die Erdbebenregion gereist und hatte mit anderen Beteiligten acht Kunstwerke ausgewählt. Die Wahl fiel unter anderem auf das Turmkreuz der Basilika St. Benedikt in Norcia. Alle Kunstwerke sollen in Rom und Florenz restauriert und Teil einer Ausstellung werden.

Linktipp: Benedikt-Basilika soll wieder aufgebaut werden

Von der Basilika des heiligen Benedikt in Norcia ist nach dem schweren Erdbeben vom Sonntag kaum etwas übrig geblieben. Doch dabei soll es nicht bleiben. Die italienische Regierung hat einen Plan. (Artikel von November 2016)

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