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Kirchenglocken läuten für 71 Todesopfer aus LKW

Gottesdienst für tote Flüchtlinge

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Der Stephansdom in Wien.
Bonn - Mit einem Gottesdienst und Glockengeläut hat Österreich am Montagabend der 71 in einem Schlepper-LKW zu Tode gekommenen Menschen gedacht. Unterdessen kündigte die Erzdiözese Wien an, am Stephansplatz Flüchtlinge aufzunehmen.

Zum Einzug erklang die nur selten geläutete Hauptglocke des Stephansdoms, die "Pummerin". Zugleich wurden in mehreren österreichischen Diözesen als Zeichen des Mitgefühls Kirchenglocken geläutet. Im Anschluss an den Gottesdienst waren alle Teilnehmer eingeladen, eine Gedenkkerze für die Opfer zu entzünden. Die Sammlung beim Gottesdienst kam der Flüchtlingshilfe der Caritas zugute.

Schönborn eröffnete den Gottesdienst mit den Worten: "Es ist genug! Genug des Sterbens, genug des Leides und der Verfolgung. Wir können nicht mehr wegschauen." Es sei eigentlich "zu grauenhaft, an das Todesleiden und Sterben dieser 71 Flüchtlinge in einem Kühlwagen für Fleischtransport" zu denken. Und doch sei es notwendig, so der Kardinal. "Sie alle, die gestorben sind, um die wir trauern, sind unsere Geschwister, einfach Mitmenschen."

71 tote Flüchtlinge wurden in der vergangenen Woche in einem Kühllaster in Österreich gefunden. Hier wird der LKW gerade untersucht.

Es sei endlich an der Zeit, "aus der Starre zu erwachen und uns entschieden der wohl größten humanitären Herausforderung Europas in den letzten Jahrzehnten zu stellen", sagte der Kardinal. Das gehe nur gemeinsam, im Zusammenspiel von Staaten, Gemeinden und Religionsgemeinschaften. "Wir dürfen zugeben, dass es schwierig ist. Wir dürfen Ängste und Sorgen benennen. Aber Wegschauen geht nicht mehr." Es sei genug guter Wille da, und es gebe genug an Möglichkeiten, um diese Herausforderung zu bestehen.

In seiner Predigt rief Schönborn erneut zu mehr Hilfe für Flüchtlinge auf. Auch mahnte er mehr europäische Solidarität bei deren Versorgung und Integration ein. Die Flüchtlinge seien "Menschen, die einfach überleben und leben wollen, wie wir alle". Sie hätten meist "gar nichts als das nackte Leben".

Erzdiözese Wien will Flüchtlinge aufnehmen

Unterdessen kündigte die Erzdiözese Wien an, am Stephansplatz Flüchtlinge aufzunehmen. Damit wolle Kardinal Schönborn ein Signal an die Pfarreien des Erzbistums senden, sagte sein Sprecher Michael Prüller der Presseagentur Kathpress. Ziel solle sein, "dass es keine Pfarrei gibt, die sich nicht in der einen oder anderen Form um Flüchtlinge kümmert". Schönborn sei zutiefst überzeugt, dass die europäische Identität nicht durch die Flüchtlinge gefährdet sei, sondern durch den drohenden Verlust der Mitmenschlichkeit. Diese sei ein wesentlicher Bestandteil der europäischen Identität.

"Es gibt keine Fremden in Deiner Familie"

Mehr als 70 Leichen wurden nach dem Flüchtlingsdrama in Österreich aus einem Lastwagen geborgen. Zeitgleich wurde das Kentern von zwei Flüchtlingsbooten vor der libyschen Küste gemeldet. Katholisch.de ruft zum Gebet für die Opfer auf.

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Auch Papst Franziskus trauert um die in dem Laster erstickten Toten, unter denen auch vier Kinder sind. Sie seien Opfer eines Verbrechens gegen die ganze Menschheitsfamilie, hatte er schon am Sonntag beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz gesagt. Er sei im Gebet für die Toten vereint mit der Kirche in Österreich.

Caritas Europa forderte als Konsequenz die unmittelbare Einführung eines europäischen Asylsystems. Der Tod der Menschen hätte verhindert werden können, wenn es legale Wege nach Europa gegeben hätte, sagte Caritas-Generalsekretär Jorge Nuno Mayer Ende vergangener Woche in Brüssel. Verstärkte Kontrollen, eine Aufrüstung an Militär und höhere Sicherheitsmaßnahmen könnten die Flüchtlingsströme nicht stoppen. "Asylsuchende sind keine Bedrohung für Europa - unsere Politik ist eine Bedrohung für sie", so Mayer.

Gefunden in abgestelltem Lkw

Am vergangenen Donnerstag war am Rand der Autobahn A4 im österreichischen Burgenland abgestellter ein LKW entdeckt worden. Aus dem Laderaum quoll laut Polizei Verwesungsflüssigkeit. Nach ersten Untersuchungen gingen die Behörden von 20 bis 50 Toten aus. Nach dem Öffnen des Fahrzeugs am Freitagmorgen musste die Zahl jedoch nach oben korrigiert werden. (gho/bod/KNA/dpa)

01.09.2015, 12.04 Uhr: aktualisiert um die Worte von Kardinal Schönborn

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