Gottlob gemeinsam unterwegs
Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, spricht auf der ökumenischen Pilgertour durchs Heilige Land von "einer Stimmung großer geschwisterlicher Verbundenheit". Und Bambergs Erzbischof Ludwig Schick twittert Fotos der Gruppe. Worte und Bilder, die bemerkenswert sind. Die Leitungen der großen Kirchen in Deutschland gemeinsam unterwegs dort, wo alles begann. Am See Genezareth, in Bethlehem, Jerusalem. Wenige Tage vor den offiziellen Feiern des Reformationstages in Berlin, vor dem Festjahr, mit dem die evangelische Kirche den 500. Jahrestag der Reformation feiert.
Das ökumenische Papier "Erinnerung heilen - Jesus Christus bezeugen" Mitte September, nun die beispiellose Reise nach Israel und Palästina, am 11. März 2017 dann ein "zentraler Buß- und Versöhnungsgottesdienst" beider Kirchen in Hildesheim, dem nach dem Willen der Spitzen Bedford-Strohm und Kardinal Marx entsprechende Feiern in vielen Orten folgen sollen. Es ist etwas in Bewegung gekommen in der Ökumene, ein Spirit, der vor wenigen Jahren noch undenkbar war.
Nicht jedem gefällt das. Der evangelische Theologe Ulrich Körtner beklagte vor einigen Tagen auf evangelisch.de das "Bußritual", zu dem sich die EKD "von der katholischen Kirche ... überreden ließ". Wie weit sei es mit der EKD gekommen... Sie wolle ihr Dokument "Rechtfertigung und Freiheit" von 2014 vergessen machen. Und Körtner ist mit solcher Kritik nicht allein.
Vielleicht sollten katholische und evangelische Theologieprofessoren mal gemeinsam ins Heilige Land pilgern. Bei keiner ihrer gemeinsamen Auftritte der vergangenen Monate wirkten die Münchner fast-Nachbarn Marx und Bedford-Strohm wie Gegenspieler des Forderns und Nachgebens. Aber vielleicht wissen Sie um die Bedeutung, in einer Zeit neuer religiöser Konflikte das gemeinsame und den Respekt voreinander zu zeigen, dabei das Wissen um jeweilige oder gemeinsame Schuld nicht zu verschweigen. In den Gassen von Jerusalem werden die ökumenischen Pilger gewiss Kirchenleuten begegnen, die seit weit mehr als 500 Jahren verkracht sind. In Europa gibt es ähnliche Orte. Da kann die Reise ins Heilige Land ebenso wie der gemeinsame Umgang mit Schuld beispielhaft sein.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.