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Caritas international unterstützt Straßenkinder in Äthiopien

Hoffnung für Haftoum

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Haftoum (r.) und seine Mutter Abiba.
Mekele - Es dauert einen Moment, bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Fenster gibt es keine, nur eine schmale Tür. Das Wellblechdach ist löchrig, doch die winzigen Lichtpunkte reichen nicht, um die Hütte zu beleuchten. Es riecht faulig. Ein kleiner Tisch ist neben dem Bett das einzige Möbelstück in dieser Steinhütte. Sie ist das Zuhause von Abiba und ihren vier Kindern, das jüngste ist 10, das älteste 16 Jahre alt.

Abiba empfängt selten Gäste in ihrem Zuhause in Mekele, im Norden von Äthiopien. Nervös zupft sie mit der einen Hand an ihrem zerschlissenen blauen Rock. In der anderen hält sie ein Taschentuch, mit dem sie sich Tränen aus den Augen wischt. In wenigen Tagen, erzählt sie mit gebrochener Stimme, werde die Miete fällig. 250 Birr, umgerechnet 10 Euro. Das sei knapp die Hälfte dessen, was sie jeden Monat verdiene. Wenn es gut läuft. 10 Euro für die Miete, 10 Euro für das Essen. "Dieser Monat ist kein guter Monat", sagt sie und senkt den Blick.

Wie Abiba geht es vielen Bewohnern hier in dieser Straße mitten in Äthiopiens drittgrößter Stadt. Die Häuser gleichen Verliesen mit winzigen Vorhöfen zum Kochen. "Das Einkommen der Menschen sichert die reine Existenz an diesem Platz. Sie haben Essen und ein kaputtes Dach, mehr nicht. Beim Schlafen wechseln sie sich ab. Oder die Kinder schlafen irgendwo draußen in der Stadt", sagt Schwester Madeleine. Die resolute Vinzentinerin kennt Abiba sehr gut. Denn der Orden betreut nur ein paar Straßen weiter eines ihrer Kinder, den 14-jährigen Haftoum (im Bild rechts).

Talente entdecken, Fähigkeiten entwickeln

Fast täglich besucht der Junge das Abba-Gebremichael-Kinderzentrum. Es bietet besonders bedürftigen Jungen und Mädchen - viele von ihnen Straßenkinder oder Aids-Waisen - im Notfall Schlafplätze und ein regelmäßiges Essen. Eigentlich geht es jedoch um etwas anderes: "Die Kinder sollen lernen, ihr Leben selbst zu meistern", sagt Schwester Madeleine.

Die 11- bis 18-Jährigen entdecken ihre Talente oder entwickeln besondere Fähigkeiten. Sie tanzen und musizieren, sie malen und experimentieren, sie spielen Fußball oder eignen sich Computerkenntnisse an. Vor einigen Jahren gründete sich eine Teenager-Band, die für Hochzeiten gebucht werden kann. Das Fußballteam hat einen Ruf weit über Mekele hinaus. Mit 50 Kindern starteten die Schwestern 1993 ihr Projekt, heute kommen jeden Tag fast 300 Mädchen und Jungen – nachmittags, nach der Schule.

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt. Viele Menschen leben dort unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt. Viele Menschen leben dort unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Das Leben selbst in die Hand nehmen

Hilfe zur Selbsthilfe; die Kinder ermuntern, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen – das ist der Ansatz der Ordensschwestern. Eine Ausrichtung, die auch Caritas international überzeugt. Seit 2005 unterstützte das Hilfswerk der deutschen Caritas das Zentrum mit 350.000 Euro. Von dem Geld wurden Tische, Stühle und Lebensmittel angeschafft, aber auch Musikinstrumente und Computer. "Die Ordensschwestern bieten Kindern Chancen und Möglichkeiten, die vielen in Äthiopien verwehrt sind", sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas international.

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Human Development Index, jenem Indikator, der den Wohlstand von Staaten misst, steht es auf Platz 173 von 187. Fast 40 Prozent der Äthiopier leben unterhalb der Armutsgrenze. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei 430 Dollar pro Kopf – in Deutschland ist es fast Hundert mal so hoch. Jährlich verlassen mehr als 200.000 Äthiopier das Land, weil sie keine Perspektiven für sich sehen. Die meisten zieht es auf die arabische Halbinsel. Dort hoffen Sie auf einen Job auf einer Baustelle in Katar, in einem Hotel in Dubai oder einem Privathaushalt in Saudi-Arabien. Die Bevölkerung Äthiopiens wächst trotzdem rasant. Jede äthiopische Frau bringt im Schnitt 5,3 Kinder zur Welt.

Den Kindern soll es einmal besser gehen...

Abiba hat vier Kinder, sie hat sie alle in ihrer sechs Quadratmeter kleinen Hütte zur Welt gebracht. Zum Vater der Kinder habe sie keinen Kontakt mehr, erzählt sie. Um sich Miete und Essen leisten zu können, arbeitet sie in einer Getreidemühle in Mekele. Geld verdient sie damit nicht, der Besitzer bezahlt sie und all die anderen Frauen in Naturalien – meistens mit Mehl. "Das verkaufe ich dann auf dem Markt", sagt sie. Doppelte Arbeit für sehr wenig Geld, das noch dazu kaum kalkulierbar ist. Abiba sagt, sie habe keine Alternative. Wichtig sei ihr nur, dass es ihren Kindern einmal besser gehe als ihr.

Für Haftoum, ihren 14-jähriger Sohn, stehen die Chancen dafür gut. "Lehrer möchte ich werden. Oder Fußballer", sagt er und lächelt schüchtern. Beide Wünsche, erzählt Schwester Madeleine, seien gar nicht so abwegig. Lehrer werden dringend gesucht in Äthiopien, weil viele, die gut ausgebildet sind, das Land verlassen. Und Leistungssportler? Die Schwester sagt, dass viele der Kinder, die in den vergangenen 20 Jahren vom Zentrum unterstützt wurden, beruflich Fuß gefasst haben. Als Krankenschwestern, Automechaniker, Frisöre, Musikproduzenten oder Sportler. "Ein junger Mann hat es sogar auf die Nationale Sport-Akademie in Addis Abeba geschafft." Es gibt also Hoffnung für Haftoum und seine Mutter Abiba.

Von Markus Harmann

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