Suche
Jeremias Schröder über den Staat und das Beichtgeheimnis

In der Gewissensfalle

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Schachfigur
Bonn - Jeremias Schröder über den Staat und das Beichtgeheimnis

Der verstorbene englische Kardinal Hume bot einem Priester zu Beginn des Dienstgesprächs diese Vereinbarung an: "Wenn Sie nicht vom Gewissen reden, rede ich nicht vom Gehorsam." Das klingt etwas bizarr, aber wer solche Gespräche kennt, weiß, dass die Berufung auf solche letzten Instanzen den vernünftigen Austausch über die anstehenden Probleme erschwert bis unmöglich macht.

Mit dem sogenannten Kirchenasyl ist es ähnlich. Wer da allzu schnell das göttliche Liebesgebot oder die persönliche Gewissensentscheidung ins Spiel bringt, der entzieht sich dem Diskurs, der über die richtige und falsche Anwendung unserer Asylgesetzte geführt werden muss. Dieses "allzu schnell" ist allerdings ausschlaggebend. Es spricht für den Großmut unserer staatlichen Ordnung, dass humanitäres Handeln geduldet wird, auch wenn dies nicht völlig der Gesetzeslage entspricht. Dahinter steht die Erkenntnis, dass abstrakte Normen der Vielfalt des menschlichen Lebens nicht immer gerecht werden können. Und wohl auch, dass man den Kirchen noch einen Rest an moralischer Autorittät zugesteht. Diese Duldung lässt sich aber nur rechtfertigen, wenn sie selten und mit Bedacht in Anspruch genommen wird.

Derweilen wird in Australien daran gedacht, einen anderen solchen Schutzraum aufzulösen: das Beichtgeheimnis in Fällen von Pädophilie. Wer das vorschlägt, kann allerdings nicht wirklich meinen, damit etwas zu erreichen. Denn wenn das Beichtgeheimnis an einer Stelle durchlöchert wird, wird kein Beichtender mehr mit Dingen zum Priester kommen, die irgendwie strafrechtlich relevant sein könnten. Ernster ist, dass das vertrauliche Beichtgespräch eines der letzten unverfügbaren Rückzugsgebiete des Einzelnen bietet. Er wird von den meisten Rechtsordnungen respektiert. Die Kirche kann ihn nicht preisgeben, und notfalls müssen Priester dafür ins Gefängnis gehen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

kna-katholisch-swarm-node3 (0.012s)