Inhaftierter US-Pastor darf Türkei verlassen
Ein Gericht im türkischen Izmir hat US-Pastor Andrew Brunson zu drei Jahren und 45 Tagen Haft verurteilt. Die Strafe muss der Vater dreier Kinder laut Medienberichten (Freitag) jedoch nicht antreten. Das Gericht hob zugleich den Hausarrest und die Ausreisesperre gegen Brunson auf. Zudem wird die Zeit der Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet.
Andrew Brunson (50) kam in den 1990er Jahren in die Türkei. In Izmir gründete er eine evangelikale Freikirche, die 25 Mitglieder hatte. Nach dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 wurde Brunson inhaftiert. Ihm wurde Unterstützung terroristischer Vereinigungen vorgeworfen, sowohl der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen als auch der kurdischen PKK - zweier eigentlich verfeindeter Organisationen. Im Juli dieses Jahres wurde die Haft in Hausarrest umgewandelt.
Während der Verhandlung waren zentrale Zeugenaussagen in sich zusammengefallen. Wie die Zeitung "Hürriyet" am Freitag berichtete, zogen insgesamt drei Zeugen ihre Aussagen zurück. Ein Zeuge zum Beispiel widerrief die Behauptung, dass ein syrisches Mitglied von Brunsons Kirchengemeinde Bomben für Terrorangriffe gebaut habe.
Diplomatische Spannungen sorgten für Kursverfall
Der Streit um den Pastor war Auslöser für eine diplomatische Krise zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten. US-Präsident Donald Trump hatte von seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan mehrfach Brunsons Freilassung gefordert und den Pastor als "Geisel" bezeichnet. Im August verhängte Trump Sanktionen und Strafzölle gegen die Türkei. Der Kurs der türkischen Lira brach daraufhin auf einen historischen Tiefstand ein. Die Währungskrise dauert auch Wochen später noch an. Kurz nach Bekanntwerden des Urteils gewann die Lira wieder an Wert.
Brunsons Anwalt Ismail Cem Halavurt hat gegenüber türkischen Medien bereits angekündigt, das Urteil nicht zu akzeptieren und Berufung einzulegen. Seinem Mandanten würden nun die elektronischen Fußfesseln abgenommen, danach werde er zu Hause darauf warten, dass er einen Flug buchen könne, um auszureisen. "Das macht ihn natürlich traurig", sagte Halavurt. Brunsons "ganzes Familienleben und Sozialleben wurde zerstört". Aber es bestehe ein Sicherheitsrisiko, wenn er bleibe. (mal/KNA/dpa)