Innenminister kritisiert Kirchen
Es sei zwar hilfreich, wenn die Kirche politische Entscheidungsprozesse begleite und dabei Wertmaßstäbe formuliere. Doch sei er "nicht immer glücklich damit", wenn Kirchenvertreter "einseitige und als letztgültige Wahrheit proklamierte politische Botschaften" von der Kanzel verkündeten.
Friedrich gab zu bedenken, dass die Politik mit einer Vielzahl immer neuer Konflikte umgehen müsse, deren Lösungen nicht immer einfach seien und die am Ende auch mehrheitsfähig sein müssten. In den Kirchen machten es sich "manche zu einfach, zum Beispiel bei Fragen um Krieg und Frieden", bemängelte der Innenminister.
Handeln von Gott rechtfertigen
So seien etwa kirchliche Forderungen, sich aus dem Afghanistan-Konflikt herauszuhalten, "völlig falsch" gewesen. Stattdessen wünsche er sich für die Zukunft von Kirche, dass sie "die Botschaft Gottes in die Herzen der jungen Leute bringt, weil das sie davon abhält, extremistisch und fanatisch zu werden".
Seinen eigenen Glauben beschreibt der Protestant aus Franken gegenüber der Zeitung so: "Ich habe ein grundsätzliches Gottvertrauen. Ich glaube, dass am Ende alles so sein wird, wie Gott es vorsieht. Das gibt mir die nötige Kraft und Gelassenheit, die man braucht, sei es im Büro, im Alltag oder im Berliner Politikbetrieb."
Friedrich ergänzte, er fühle sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet, das von der Prämisse ausgehe, dass jeder Mensch auch ein sündiger Mensch sei. "Das habe ich bei politischen Handlungen immer im Hinterkopf", so der Minister. Grundsätzlich sei er überzeugt, "dass jeder Mensch seinem Gewissen folgen und sein Handeln vor Gott rechtfertigen können muss".