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Ökumene-Sprecher Marc Witzenbacher über die Gebetswoche zur Einheit der Christen

Ist denn Christus zerteilt?

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Ein Weg führt einen Hügel hoch. Hinter der Spitze des Hügels ist ein großes metallenes Gerüst so gebaut, dass es mit zwei sich kreuzenden Bögen einen Fisch ergibt.
Bonn - Ab Samstag wird wieder in aller Welt für die Ökumene gebetet. Bis zum 25. Januar dauert die "Gebetswoche für die Einheit der Christen", die seit Jahrzehnten begangen wird. Diesmal waren die Christen Kanadas für die Gebetstexte verantwortlich. Wie diese ökumenische Woche in Deutschland begangen wird, erklärt Marc Witzenbacher, evangelischer Pastor und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), im Interview mit katholisch.de.

Frage: Pfarrer Witzenbacher, können Sie einschätzen, wie viele Christen in Deutschland an der Gebetswoche teilnehmen?

Marc Witzenbacher: Das lässt sich schwer sagen, da die Veranstaltungen nicht zentral erfasst werden. Die Materialien werden sehr gut abgerufen, es finden landauf landab zahlreiche ökumenische Gottesdienste in dieser Woche statt, und Christen aller Konfessionen beteiligen sich daran. Den zentralen Gottesdienst feiern wir in diesem Jahr am 5. Juni in Wiesbaden. Denn die Woche kann sowohl vom 18. bis 25. Januar als auch zwischen Himmelfahrt und Pfingsten gefeiert werden. Die meisten Gottesdienste und Veranstaltungen finden aber in diesen Tagen statt.

Der evangelische Pastor Marc Witzenbacher ist Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) .

Frage: Vorbereitet wurden die Gebete dieses Jahr von Christen in Kanada, ein Land, dessen Kultur nicht vielen Menschen bekannt ist...

Witzenbacher: Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde; ein großer Teil liegt in der Arktis. Ganz unterschiedliche Volksgruppen leben in Kanada, unter ihnen auch die Inuit und Menschen, die aus aller Welt übergesiedelt sind, um sich dort niederzulassen. Alle haben sie ihre eigenen Kulturen aufgebaut oder mitgebracht. Das Motto der Gebetswoche "Ist denn Christus zerteilt?" aus dem 1. Korintherbrief (1 Kor 1,1-17) nimmt auf die großen Unterschiede Bezug, die im Land Kanada bestehen: verschiedene Sprachen und Kulturen, ja selbst im Klima zerfällt das Land in sehr verschieden ausgeprägte Regionen. Das bringt es mit sich, dass dort auch der christliche Glaube ganz unterschiedlich gelebt und bezeugt wird. Die kanadischen Christen wollen sich durch den Bibeltext ermutigen lassen, die verschiedenen kulturellen Ausprägungen der jeweiligen Kirchen und Gemeinden zu integrieren und gegenseitig voneinander zu lernen.

Frage: Wie ist die ökumenische Situation in Kanada?

Witzenbacher: Die vielen eingewanderten Kulturen schlagen sich auch in den verschiedenen Ausprägungen und Konfessionen des kanadischen Christentums nieder. Ökumenische Bemühungen zeigten sich in Kanada schon am Ende des 19. Jahrhunderts, als Presbyterianer, Methodisten und Kongregationalisten verbindliche Kooperationen eingingen und sich schließlich 1925 zur "Vereinigten Kirche von Kanada" zusammenschlossen. In dem Zusammenschluss der christlichen Konfessionen sahen die Verantwortlichen auch eine Form, wie das Land als Nation besser zusammenwachsen kann. Heute arbeiten im Kanadischen Rat der Kirchen 24 Kirchen zusammen, darunter auch die Anglikaner, verschiedene orthodoxen Kirchen, die Freikirchen und die römisch-katholische Kirche. Der Rat repräsentiert rund 85 Prozent aller Christen in Kanada. Doch nach wie vor bestehen Spannungen zwischen den Kirchen, unter anderem über die Frauenordination sowie ethische Fragestellungen. Umso mehr war es den kanadischen Kirchen wichtig, sich selbst mit den Texten des ersten Korintherbriefes auseinanderzusetzen und daraus Christen in aller Welt Anregungen für das ökumenische Miteinander und das ökumenische Beten zu geben.

Der Huronsee in Kanada

Frage: Aus dem Motto "Ist denn Christus zerteilt?" könnte man doch auch eine Unzufriedenheit über den derzeitigen Stand der Ökumene herauszuhören, oder?

Witzenbacher: Es ist ja ein biblisches Motto von Paulus, das die Bitte Jesu aufgreift, dass alle eins sein mögen (Joh 17,21). Der Apostel erinnert uns daran, dass wir uns gerade in unserer Verschiedenheit auf den einen Herrn beziehen sollen. Wir dürfen uns nicht isolieren und gegenseitig geringschätzen, sondern sollten unsere Verschiedenheiten als Bereicherung erleben, schreiben die kanadischen Geschwister in den Texten zur Gebetswoche. Da wir nach wie vor als verschiedene Konfessionen dieser sichtbaren Einheit noch nicht gerecht werden, bleibt es eine unserer vordringlichsten Aufgaben, auf dieser gemeinsamen Basis stets weiter Schritte aufeinander zuzugehen. Solange wir noch in den Fragen des Amtes und des Abendmahls nicht zusammengefunden haben, können wir nicht zufrieden sein. Das biblische Motto lenkt den Blick auf das, was uns verbindet. Das müssen wir stärken.

Frage: Die Gebetswoche findet seit vielen Jahrzehnten statt, ist quasi die größte ökumenische Veranstaltung weltweit und auch der Papst leitet ein Gebet in Rom. Wie schätzen Sie die Bedeutung dieser Gebetsoktav ein?

Witzenbacher: Die Gebetswoche hat eine enorm hohe Bedeutung. Seit 1908 wird sie begangen, seit 1968 ökumenisch in Kooperation des Ökumenischen Rates der Kirchen und der römisch-katholischen Kirche. Im Grunde ist es die einzige Form, in der weltweit fast alle Christen miteinander Gottesdienst feiern und für die Einheit beten. Insgesamt kann man sagen, dass die Gebetswoche eine der wichtigsten ökumenischen Veranstaltungen im Jahreslauf ist.

Das Interview führte Agathe Lukassek

Live: Ökumenische Vesper zur Gebetswoche für die Einheit der Christen

Zur Gebetswoche für die Einheit der Christen wird am Sonntag, 19. Januar, im St.-Paulus-Dom in Münster eine ökumenische Vesper gefeiert. Sie können das Gebet ab 15 Uhr im katholisch.de-Livestream mitverfolgen (siehe auch Link am Ende der Seite). Die Predigt hält der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Braunschweig und Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Deutschland, Friedrich Weber. Es singt die Schola Breuliana. Wir übertragen die Vesper mit freundlicher Genehmigung des Bistums Münster.

Live: Ökumenische Vesper zur Gebetswoche für die Einheit der Christen
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