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Über Papst Franziskus und Barack Obama

Jesus, we can

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Bonn - Diese Woche beschäftigt sich die Vatikan-Kolumne "Franz & Friends" mit dem nahenden Besuch des Papstes in den USA. Wird der beliebte Franziskus den US-Wahlkampf aufwirbeln?

Kommende Woche macht ein "brillanter Politiker" seinen Antrittsbesuch in Washington. Mit diesem Lob fiebert der "Boston Globe" dem Papst entgegen. An Brillanz mangelt es im US-Politikbetrieb. Spitzen-Beliebtheitswerte bis weit in konservative Kreise hinein lassen Franziskus in Washington als Mann erscheinen, der leichten Fußes auf wogenden Wassern wandelt. Mit der Durchsetzung des Iran-Abkommens gegen massive Widerstände selbst bei der eigenen Partei hat sein Gastgeber Barack Obama dagegen nach sechs Jahren im Weißen Haus eben erst den Freischwimmer als Staatsmann errungen.

Dabei ähnelt der Obama von 2008 verblüffend dem Franziskus von 2015. Schließlich kandidierte Obama als ein Heilsbringer, der Amerika einen Wandel zu Harmonie und Wohlergehen bringen würde. Damals erhoffte die Welt einen "Obama-Effekt" und deutete ihn als postmodernen Moses. Diese Illusion hat Obama durch die Instrumentalisierung der Rhetorik eines Martin Luther King jr. clever genährt. Sein Mangel an Erfahrung und die sturen Störmanöver der Republikaner ließen die Träume platzen.

Franz und Barack singen zweistimmig dasselbe Lied

Da die auf Optimismus gepolten Amerikaner Hoffnung weder aufgeben können noch wollen, fliegen ihre Herzen nun Franziskus zu. Im letzten Jahr hat Obama selbst die Wandel-Fackel an den obersten Seelenhirten weitergegeben und ihn als "Anführer der Umgestaltung" bezeichnet. Allerdings will der Präsident seine eigene politische Reife demonstrieren. An 24. September spricht der Papst vor dem Kongress. Eine Premiere. Franz und Barack singen vom Klimawandel bis zum Dialog mit Kuba zweistimmig dasselbe Lied. Die Republikaner befürchten, dass der progressive Papst bei katholischen Bürgern ihre Wahlkampfpläne für 2016 noch nachhaltiger aufwirbelt als Donald Trump. Rechte Präsidentschaftskandidaten werten päpstliche Machtworte gegen die Anbetung des Geldes vorsorglich zu "politischen Aussagen" ohne praktische Bedeutung ab.

Obwohl Obama den Papst gerade bei der Klimapolitik zitiert hat, will er bei dem Besuch auf Umarmungsversuche verzichten. Stattdessen ist aus dem Weißen Haus zu hören, dass der Präsident in der Anwesenheit von Franziskus konfliktarme Konzepte etwa für eine Reform der absurd harten Strafjustiz in Amerika vorstellen wird. Versuche, den Papst auf derbe Weise vor den eigenen Wagen zu spannen, erscheinen dem Weißen Haus anscheinend als kontraproduktiv.

Dies wird Franziskus nur recht sein. Wie sein Biograf Austen Ivereigh erklärt, betreibt der Papst einen "Befreiungsschlag" und sucht "größere Handlungsfreiheit auf der Weltbühne: Unter seinen Vorgängern hat sich die Kirche in eine rechte Agenda bei Fragen wie Abtreibung und Schwulenehe pferchen lassen. Daraus will Franziskus mit starken Botschaften bei Immigration und Klimawandel entkommen." Das heißt noch lange nicht, dass er Grundsatzpositionen etwa beim Lebensschutz aufgibt. Auch Amerikas Konservative dürfen von dem Mann aus Rom freundliche Gesten erwarten.

Christ & Welt

Diesen Text der Kolumne "Franz & Friends" publiziert katholisch.de mit freundlicher Genehmigung von "Christ & Welt", einer Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit". "Christ & Welt" - das sind sechs Seiten, die sich auf Glaube, Geist und Gesellschaft konzentrieren, sechs Seiten mit Debatten, Reportagen und Interviews aus der Welt der Religionen. "Christ & Welt" ist im Jahr 2010 aus der traditionsreichen Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" hervorgegangen.

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