Kardinal: Gegen "Alte Messe"-Einschränkung, wenn Konzil geachtet wird
Der indische Kardinal Oswald Gracias hat keine Probleme mit der vorkonziliaren Liturgie – wenn damit nicht eine Ablehnung der Konzils-Reformen verbunden ist. "Ich wäre nicht dafür, die Verbreitung dieser Praxis zu verbieten, sofern sie nicht eine Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Ausdruck bringt", sagte Gracias in einem Interview mit dem traditionalistischen Online-Portal "Ad Vaticanum" (Montag). Unter Papst Leo XIV. gebe es Anzeichen für mehr Freiheiten bei der Feier der "Alten Messe". Dieser Ansatz habe seinen Wert. Der emeritierte Erzbischof von Mumbai betonte, er habe in seiner Erzdiözese in drei Kirchen die Feier der "Alten Messe" gestattet. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Zahl der Besucher dieser Messen gestiegen ist", so der Kardinal. Sein Problem habe eher darin bestanden, Priester zu finden, die ausreichend Latein beherrschten, um die Liturgie würdig zu feiern.
Grundsätzlich brauche es eine Balance zwischen den liturgischen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Kontinuität mit der liturgischen Tradition der Kirche und einer aktiven Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie. "Es gilt, ein gesundes Gleichgewicht zwischen diesen Elementen zu fördern", betonte Gracias. "Das Zweite Vatikanische Konzil strebte eine stärkere aktive Beteiligung der Gläubigen an, ohne dabei Abstriche bei den grundlegenden liturgischen Prinzipien zu machen. Dem müssen wir uns anschließen."
Die katholische Kirche in Asien bezeichnete Gracias als "sehr lebendig". "Asien hat der Kirche und der Welt viel zu bieten", erklärte der Kardinal. "Asien sollte sich dessen bewusst sein und die FABC sollte so effektiv strukturiert sein, dass sie die Kirche noch lebendiger macht", sagte er in Bezug auf die Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen. Gracias sprach im Interview auch über einen möglichen Papstbesuch in Indien. "Papst Franziskus wollte unbedingt nach Indien kommen. Auch die Kirche in Indien war sehr daran interessiert", sagte der Kardinal, der als enger Vertrauter von Franziskus (2013–2025) galt. Es sei allerdings nicht gelungen, die Einzelheiten mit der indischen Regierung zu klären. "Papst Leo hat bereits seinen Wunsch geäußert, nach Indien zu kommen. Wir werden daran arbeiten und hoffen sehr, dass er kommen kann", so Gracias. "Es wird eine spirituelle Erneuerung in der katholischen Kirche bedeuten."