Kardinal Schönborn: Katechismus bleibt zentral für Glaubensweitergabe
Der österreichische Kardinal Christoph Schönborn hat die bleibende Bedeutung des Katechismus für die katholische Kirche betont. Auch in einer polyzentrischen Weltkirche sei er das richtige Instrument, um die Glaubensweitergabe zu fördern, sagte er laut der Nachrichtenagentur "Kathpress" am Wochenende in Wien. Christen glaubten an einen Schöpfergott und an Jesus Christus, der für alle Menschen gekommen ist. "Wie sollten wir nicht daran glauben, dass es möglich ist, den Glauben in der heutigen Zeit gemeinsam für uns alle auszusprechen?", so der emeritierte Wiener Erzbischof.
Schönborn war vom damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, zum Sekretär des Redaktionskomitees des 1992 veröffentlichten Katechismus der katholischen Kirche (KKK) ernannt worden. In dieser Funktion war er maßgeblich an dessen Erarbeitung beteiligt. Der KKK versteht sich als "Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre, wie sie von der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und vom Lehramt der Kirche bezeugt oder erleuchtet wird" (Nr.4).
Wissen über den Glauben
Seine damalige Aufgabe sei "sicher die spannendste Aufgabe in meinem Leben" gewesen, sagte der Kardinal. "Wenn Luther einen Katechismus machen konnte, der den Glauben ausdrückt, wenn das Konzil von Trient einen Katechismus machte, warum sollte das in unserer Zeit nicht möglich sein?", fragte er. Auch wenn es wohl kaum jemand gebe, der das Kompendium auswendig lernt, sei es "nicht verboten, den Katechismus zu verwenden, nicht nur als Staubfänger", betonte Schönborn. "Man darf auch etwas wissen über unseren Glauben."
Anliegen des Katechismus sei, den Glauben der Kirche kompakt darzustellen. Die Theologie reflektiere, studiere die Quellen, "aber die Basis ist das, was die Kirche, was der Glaube der Kirche sagt". Schönborn verwies in diesem Zusammenhang auf die weltweite Rezeption des Katechismus, auch in der islamischen Welt. So habe die theologische Hochschule von Ghom, die wichtigste schiitische Hochschule im Iran, eine Übersetzung auf Farsi vorgenommen. "Seltsamerweise" habe es gerade im deutschen Sprachraum, vor allem im akademischen Bereich, Vorbehalte gegen die Erarbeitung eines Katechismus gegeben, so Schönborn.
Schönborn äußerte sich im Rahmen eines dreitägigen internationalen Symposiums zum Thema "Joseph Ratzingers Theologie im Widerstreit", das von Donnerstag bis Samstag in Wien stattfand. Die Tagung verstand sich ausdrücklich als "Ouvertüre" zum Gedenkjahr anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XIV. am 16. April 2027.