Kardinal verschärft Regeln für kirchliche Bewegungen
Der Madrider Kardinal José Cobo will neuen kirchlichen Bewegungen künftig klarere Grenzen setzen. Wie das spanische Magazin "Vida Nueva" am Mittwoch berichtete, fordert Cobo in einem Hirtenbrief strengere Verfahren zur Prüfung und Genehmigung neuer kirchlicher Initiativen. Zugleich warnt er vor Spaltungen: "Es ist offensichtlich, dass die Kraft der Evangelisierung stark geschwächt und ihre Glaubwürdigkeit verringert wird, wenn diejenigen, die das Evangelium verkünden, durch Lehrstreitigkeiten oder ideologische Polarisierungen gespalten oder zerrissen werden", so Cobo.
Der Kardinal betont zudem, dass die Einheit der Kirche zwar keine Uniformität bedeute, es aber auch nicht zulässig sei, dass jede Gruppe ihren eigenen Raum abseits der kirchlichen Gemeinschaft schaffe. Deshalb plädiert er dafür, das ausgrenzende "Entweder-oder" aufzugeben und durch ein stärker integrierendes "Sowohl-als-auch" zu ersetzen. "Die Kirche ist immer umfassender als die konkrete Realität, in der wir unseren Glauben leben", so Cobo, der seit 2023 an der Spitze des Erzbistums Madrid steht und im selben Jahr von Papst Franziskus (2013–2025) zum Kardinal erhoben wurde.
Keine Kontrolle
Laut dem Hirtenbrief muss künftig für jede neue kirchliche Initiative ein Antrag eingereicht werden – mit konkreten Angaben zu Zielen, Maßnahmen und Zeitplan der Gründung der Initiative und Angaben zur Anbindung an die diözesanen Strukturen. Der Antrag werde dem Erzbischof vorgelegt und im Rahmen eines Prüfverfahrens von einer eigens dafür eingesetzten Kommission beurteilt. Bei einer positiven ersten Bewertung soll die Initiative mindestens zwei Jahre lang auf Probe agieren, bevor sie eine endgültige Genehmigung erhalten kann. Das Verfahren sieht zudem vor, dass Pfarrer keine Initiativen eigenmächtig vorantreiben dürfen, ohne sie zuvor dem Pfarrgemeinderat und dem zuständigen Dekanat vorzulegen. Beide Gremien müssen eine schriftliche Stellungnahme abgeben, bevor eine neue Initiative in das Pfarrleben aufgenommen wird.
Dabei gehe es nicht um Kontrolle, sondern um die Prüfung und Begleitung neuer Bewegungen, Gemeinschaften und Evangelisierungsmethoden, schreibt Cobo in dem Hirtenbrief. Entscheidend seien die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Bischof und der übrigen Kirche sowie die "Akzeptanz und Demut", die erforderlich seien, um die Vorgaben im Rahmen des Prüfverfahrens anzunehmen.