Kardinal verteidigt Fernsehmessen
Der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Ricardo Blázquez Pérez, hat die Übertragung von Eucharistiefeiern im spanischen Staatsfernsehen in Schutz genommen. Die Fernsehmesse sei "ein religiöses Angebot für die Bürger", sagte der Erzbischof der zentralspanischen Stadt Valladolid am Mittwoch im Interview mit dem kirchlichen Radiosender COPE in Madrid. Die katholische Kirche nutze "diese Möglichkeit in den Medien ebenso, wie die anderen Konfessionen und Religionen, um ihren eigenen Glauben vorzustellen und zu feiern", erklärte Blázquez.
Stiften die Kirchen zu Hass an?
Hintergrund für die Äußerungen des spanischen Kirchenmannes war ein Antrag der gemeinsamen Fraktion der linkspopulistischen Partei Podemos und der Vereinigten Linken im spanischen Parlament. Die kirchenkritischen Politiker wollten mit einer Gesetzesinitiative die Übertragung der Heiligen Messe im staatlichen Fernsehen verbieten lassen. Sie begründeten ihren Vorstoß vor anderthalb Wochen damit, dass Spanien ein religiös neutraler Staat sei und keine konfessionellen Sendungen übertragen dürfe. "Wir verteidigen die religiöse Freiheit", sagte der Fraktionsvorsitzende und Podemos-Politiker, Pablo Iglesias. Die Sprecherin der Parlamentsfraktion, Irene Montero, fügte hinzu, dass die Kirche mit der Übertragung "zu Hass anstifte".
Blázquez zeigte sich von den Vorwürfen irritiert: "Sicherlich waren sie nicht in einer Messe und wissen nicht, was dort gesagt wird." Die Parteien betrieben damit kirchenfeindliche "Klientelpolitik". Das staatliche Fernsehen Spaniens überträgt jeden Sonntag eine katholische Eucharistiefeier. Aufgrund der Debatte um die Ausstrahlung verdreifachten sich die Zuschauerzahlen der Fernsehmesse am vergangenen Sonntag. Mehr als 1,2 Millionen Spanier sahen die Eucharistiefeier, was einer Einschaltquote von 21,3 Prozent entspricht. (rom)
Bei der Parlamentswahl in Spanien könnte das seit rund 40 Jahren etablierte Zwei-Parteien-System aus Konservativen und Sozialisten am Sonntag ein Ende finden. Neue Parteien ernten auch mit antikirchlichen Forderungen Zuspruch in den Umfragen. (Artikel vom Dezember 2015)