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General a. D. Karl-Heinz Lather über den geplanten Bundeswehreinsatz

"Keine andere Möglichkeit"

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Bonn - Der Bundestag hat einem Bundeswehreinsatz gegen den "IS" zugestimmt. General a. D. Karl-Heinz Lather, der sich im Stiftungsbeirat der Katholischen Friedensstiftung engagiert, bezeichnet die Entscheidung im Interview mit katholisch.de als überfällig.

Frage: Herr Lather, es wird wohl einen längeren Einsatz der Bundeswehr in Syrien geben. Ist dieser Einsatz gegen den IS aus Ihrer Sicht nötig?

Lather: Er ist nötig und überfällig. Nach alledem, was wir mit dem IS in den letzten Jahren erlebt haben, hat die Internationale Gemeinschaft insgesamt zu lange gewartet, bis sie sich zum entschiedenen Handeln durchgerungen hat. Das beginnt jetzt mit den schlimmen Terroranschlägen von Paris als Auslöser, zu denen sich der IS bekannt hat.

Frage: Ist der Einsatz denn auch aus christlicher Sicht gerechtfertigt?

Lather: Ich denke, ja. Militärische Einsätze sind aus christlicher Sicht deshalb schwierig, weil sie immer das äußerste Mittel sind, die Ultima Ratio. Es scheint aber in dem Fall so zu sein, dass wir keine andere Möglichkeit haben, als auch militärisch gegen den IS vorzugehen. Aber es darf nicht ausschließlich militärisch reagiert werden: Parallel läuft ja bereits eine diplomatische Initiative in Wien und in befreiten Teilregionen Syriens ist die Internationale Gemeinschaft dabei, die Gegend zu stabilisieren und aufzubauen. Alle Komponenten sind erforderlich, aber eben auch die militärische.

Eine Drohne vom Typ RQ-1 Predator, von der Creech-Luftwaffenbasis im Bundesstaat Nevada, startet vom Flughafen Rafael Hernandez, bei Aguadilla, Puerto Rico.
"Es hat am Ende die gleiche Wirkung, ob Sie ein bewaffnetes Flugzeug mit einem Piloten losschicken oder ob das ein Pilot tut, der nicht in der Drohne sitzt": General a. D. Karl-Heinz Lather über den Einsatz von Kampfdrohnen.

Frage: Gibt es denn ethische Formen der Intervention?

Lather: Ethisch vertretbar zu handeln bedeutet aus christlicher Perspektive zunächst, lange nach anderen Möglichkeiten zu suchen. Vor allem geht es darum, einen Konflikt erst gar nicht entstehen zu lassen. Wenn er aber entstanden ist, dann sollte er anders als mit Gewaltanwendung gelöst werden. Aber im Fall des IS ist es im Moment nach meiner Beurteilung so, dass wir keine anderen Mittel haben, als die Terrorgruppe durch militärische Mittel in die Knie zu zwingen und an der Fortsetzung ihrer Grausamkeiten zu hindern.

Frage: Ist der Einsatz von Kampfdrohnen angesichts der Tatsache, dass die Terrorgruppe eine asymmetrische Kriegsführung betreibt, eine Lösung?

Lather: Dieser Einsatz findet bereits statt. Die Bundeswehr verfügt zwar nicht über Kampfdrohnen, dafür aber andere Staaten, die in der Koalition im Kampf gegen den IS vor Ort sind. Wenn wir den Medienberichten glauben können, setzen unter anderem die Amerikaner Kampfdrohnen ein.

Frage: Wie bewerten Sie das?

Lather: Es hat am Ende die gleiche Wirkung, ob Sie ein bewaffnetes Flugzeug mit einem Piloten losschicken oder ob das ein Pilot tut, der nicht in der Drohne sitzt. Wenn ich grundsätzlich dazu bereit bin, den Militäreinsatz zu rechtfertigen, dann finde ich das gleichermaßen gerechtfertigt. Jeder weiß heute, dass es diese Drohnen gibt und dass sie zum Einsatz kommen. Wir haben nun eine andere Situation als die von Papst Innozenz II. im Mittelalter, der die Armbrust als durchschlagstarke Distanzwaffe geächtet hatte.

"Ein militärisches Abenteuer"

Die katholische Kirche sieht die geplante Beteiligung der Bundeswehr am Militäreinsatz gegen den "Islamischen Staat" (IS) in Syrien kritisch. Durch den Einsatz werde die Gewaltspirale nicht gestoppt, sind sich Kirchenvertreter sicher.

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Frage: Was wäre nötig, um als Ziel die Befriedung in Syrien zu erreichen?

Lather: Die Situation in Syrien und in der gesamten Region ist hochkomplex. Es gibt viele interessierte Gruppen, die ihre Einflüsse geltend machen und die sich aus verschiedenen Gründen bekämpfen. Die Religionen gehören zwar sicherlich mit dazu, aber nicht in erster Linie. Der Militäreinsatz führt hoffentlich dazu, dass wir am Ende eine Situation haben, in der die Parteien, die sich vor Ort bekämpfen, einen Weg finden, miteinander zu reden und zu einem friedlichen Zusammenleben zu kommen, das dann eine Staatsentwicklung möglich macht. Wie das in Syrien oder im Irak konkret geschehen soll, das kann man heute noch nicht wissen. Man muss auf die diplomatischen Initiativen setzen und auf das reagieren, was sich in Folge der Militäreinsätze ergibt. Das Ziel kann nicht die Ausrottung aller Menschen sein, die zum IS gehören. Der Militäreinsatz ist lediglich ein Mittel zu dem Zweck, Frieden zu erreichen.

Frage: Die Gemeinschaft Katholischer Soldaten fordert, dass militärische Einsätze immer vom Ende her gedacht werden: Bereits am Anfang muss geklärt sein, wie es nach dem militärischen Einsatz friedlich und konstruktiv weitergehen soll...

Lather: Das ist im Grunde richtig und da ist die Debatte im Augenblick ein wenig nebulös. Ich halte es trotzdem für gerechtfertigt, sich jetzt für den Kampfeinsatz zu entscheiden, weil die beiden Prozesse parallel erfolgen. Im Mandatsvorschlag der Bundesregierung sieht man bereits die Aktionsfelder. Die Strategie, die zu einem friedlichen Ergebnis führen soll, ist dort umschrieben und angerissen - aber sie tut es noch nicht hinreichend präzise.

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