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Polens Bischöfe drängen die Regierungschefin zum Verzicht auf den Eucharistieempfang

Keine Kommunion für polnische Politiker?

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Ein Priester teilt Hostien aus.
Warschau - Polens Bischöfe sind derzeit nicht gut auf die Spitzenpolitiker des Landes zu sprechen. Diese hatten kürzlich ein neues Gesetz zur künstlichen Befruchtung verabschiedet. Jetzt sollen sie auf den Kommunionempfang verzichten.

Die beiden rechtsliberalen Politiker bekennen sich zwar wie mehr als 90 Prozent der Polen zur katholischen Kirche. Aber die nationale Bischofskonferenz hat Politiker aufgerufen, der Kommunion fernzubleiben, solange sie sich nicht öffentlich von einem jüngst durchgesetzten Gesetz distanzieren. Es regelt künstliche Befruchtungen, die sogenannte In-vitro-Fertilisation.

Erfolglos hatten die Bischöfe gegen die Verabschiedung gekämpft, weil das Gesetz in bestimmten Fällen eine Vernichtung von Embryonen erlaubt. Selbst ein Kirchenausschluss von Politikern stand zur Debatte. Nachdem Komorowski Ende Juli, kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt, das Gesetz in Kraft setzte, musste der Episkopat prüfen, ob er Sanktionen verhängt.

Katholiken müssen Leben unbedingt schützen

"Ein Katholik, der bewusst und freiwillig für die Zulässigkeit der In-vitro-Methode stimmt oder diese unterzeichnet, der ficht selbst seine volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche an", erklärte der Vorsitzende des Rechtsausschusses der Bischofskonferenz, der Stettiner Erzbischof Andrzej Dziega. Die Methode verstoße gegen die "Unantastbarkeit des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod". Daher dürfe ein Katholik das Gesetz keinesfalls akzeptieren, so der Bischof. Die Befürwortung des Gesetzes durch Komorowski und die Mehrheit der Abgeordneten sei für "viele Gläubige eine Quelle erheblichen Ärgernisses".

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In Großbritannien sorgte vor wenigen Monaten die Debatte um eine neue Technik der künstlichen Befruchtung für Aufsehen. Bei dieser neuen Form wird eine Eizelle befruchtet, die von gleich zwei Frauen stammt. Wie das funktioniert und was die Kirche dazu sagt, zeigt unser Überblick.

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Wenn diese Politiker an der Kommunion teilnehmen wollten, müssten sie zuerst beichten gehen, ihren Fehler zugeben und "Reue für die begangene Sünde äußern", verlangte Dziega. Sie selbst sollten auf den Empfang der Kommunion verzichten, solange sie in der Öffentlichkeit ihren Standpunkt nicht geändert haben. Zugleich räumte er ein, dass es "äußerst schwierig" sei, jemandem das Sakrament zu verweigern - denn es sei stets unklar, ob dieser nicht zuvor gebeichtet und der Priester ihm für seine Sünde die Absolution erteilt habe.

Keine automatische Exkommunikation

Die härteste Strafe für die Politiker ist indes vom Tisch. Ihre Stimmen für das In-vitro-Gesetz führten nicht zur "automatischen Exkommunikation", so Dziega. Ein Kirchenausschluss komme nur nach einer genauen Prüfung durch den jeweiligen Ortsbischof in Betracht.

Für den Erzbischof von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz, kommt ein Boykott der Spitzenpolitiker nicht in Betracht. Der Weltjugendtag 2016 in seiner Bischofsstadt wird vom Staat mitfinanziert.

Ein Boykott der Politiker, die das befürworten, kommt für die Kirchenspitze nicht infrage. Der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz empfing am Montag in seiner Bischofsresidenz Regierungschefin Kopacz. Dabei sagte diese staatliche Hilfen für den katholischen Weltjugendtag mit Papst Franziskus im Juli 2016 zu. Das Thema künstliche Befruchtung spielte bei dem Treffen keine Rolle.

Spannend ist dennoch, wie sich rechtsliberale Politiker wie Kopacz und die Bischöfe künftig in der Kommunionfrage verhalten. Mehrmals im Jahr nehmen Spitzenpolitiker an Feiertagen vor laufenden Kameras an Messen teil. Wer will und wer bekommt die Hostie? Bislang wollen beide Seiten wohl einen Eklat vermeiden.

Die Regierungspartei Bürgerplattform (PO) kritisiert den Kurs der Bischöfe. Parlamentspräsidentin Malgorzata Kidawa-Blonska nannte es "ungerecht", dass das Gesetz, das künstliche Befruchtung einschränke, als Sünde gewertet werde, nicht jedoch der Verzicht auf jede Regelung der In-vitro-Methode durch frühere Regierungen. Während die PO für die Vernichtung von normal entwickelten Embryozellen Haftstrafen beschlossen habe, habe einst die konservative PiS, als sie an der Regierung war, überhaupt kein Gesetz zum Schutz von Embryonen und auch keine Strafen beschlossen.

Die katholische Kirche in Polen spricht mit derselben Stimme wie Papst Franziskus, Papst Benedikt XVI. und der heilige Papst Johannes Paul II.

Pawel Rytel-Andrianik, Pressesprecher der Polnischen Bischofskonferenz

Kirchenkritiker verwiesen zudem darauf, dass die katholischen Bischöfe anderer westeuropäischer Länder, in denen es seit Jahren ähnliche Gesetze wie in Polen gebe, keine derartigen Drohungen ausgesprochen. Der Pressesprecher der Polnischen Bischofskonferenz, Pawel Rytel-Andrianik, bestreitet freilich, dass der Episkopat einen Sonderweg eingeschlagen habe: "Die katholische Kirche in Polen spricht mit derselben Stimme wie Papst Franziskus, Papst Benedikt XVI. und der heilige Papst Johannes Paul II.": sie vertrete die Lehre der Kirche.

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