"Kirche in Not": Haben nie Seligsprechung van Straatens vorangetrieben
Das Hilfswerk "Kirche in Not" hat bekräftigt, nie eine Seligsprechung ihres wegen Vergewaltigungsvorwürfen in der Kritik stehenden Gründers Pater Werenfried van Straaten vorangetrieben zu haben. "'Kirche in Not' als Institution hat einen solchen Prozess nie betrieben", sagte der Präsident des Hilfswerks, Thomas Heine-Geldern, im Interview mit der Zeitung "Die Tagespost" am Freitag. Doch es habe "einzelne, dem Werk nahestehende Personen" gegeben, die nach dem Tod des Paters ein Seligsprechungsverfahren initiieren wollten, so Heine-Geldern. Der als "Speckpater" bekanntgewordene Prämonstratenser van Straaten werde weiterhin "in der Geschichte des Hilfswerks als Person des Gründers seinen Platz haben". Im Mittelpunkt von "Kirche in Not" stünden jedoch "die Situation der Christen in Not weltweit sowie deren Unterstützung".
Eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Recherche der Zeit-Beilage "Christ & Welt" machte einen möglichen Fall sexueller Nötigung durch van Straaten öffentlich. Der Vorwurf des sexuellen Übergriffs bezieht sich auf die Aussage einer Mitarbeiterin des von dem Kirchenmann gegründeten Hilfswerks aus dem Jahr 1973. Mit dem Bekanntwerden des kirchlichen Missbrauchsskandals im Jahr 2010 setzte die Frau "Kirche in Not" über die versuchte Vergewaltigung in Kenntnis, um eine mögliche Seligsprechung van Straatens zu verhindern. Sie habe nach Aussage des Hilfswerks darum gebeten, ihren Vorwurf nicht zu veröffentlichen.
"Kirche in Not" erfahre weiterhin große Verbundenheit
Außerdem machte der Zeitungsbericht die Ergebnisse einer apostolischen Visitation des Hilfswerks aus den Jahren 2009 bis 2011 öffentlich. Darin wurden van Straaten "Maßlosigkeiten in der Lebensführung, erhebliche Defizite in der Personalführung sowie Anfälligkeiten für faschistoide Ideen" vorgeworfen. Heine-Geldern wies diese Anschuldigungen zurück, räumte jedoch ein, dass es unter van Straatens Leitung immer wieder Konflikte mit Mitarbeitern gab. "Der damalige Führungsstil entsprach sicher nicht dem heutigen Verständnis moderner Personalführung."
"Kirche in Not" müsse "selbstkritisch" mit den Vorwürfen gegen den Gründer umgehen, so Heine-Geldern weiter. Diese würden jedoch nur "einen Aspekt der Vergangenheit" betreffen. "Wir haben schon vor einiger Zeit die nötigen Vorkehrungen getroffen, dass ein solches Verhalten bei 'Kirche in Not' heute nicht möglich wäre." Zwar habe es "vereinzelt sehr betroffene Reaktionen" langjähriger Spender gegeben, doch das Hilfswerk würde weiterhin eine große Verbundenheit erfahren. (rom)