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Matthias Vogt über mögliche Folgen des Todesurteils gegen mehr als 500 Muslimbrüder

"Kirchen müssen unabhängiger sein"

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Ein Prozesshämmerchen aus Holz
Bonn - Das Urteil war scharf: Mehr als 500 Muslimbrüder sind gestern in Ägypten zum Tode verurteilt worden. Die Justiz warf Ihnen unter anderem vor, an der Ermordung eines Polizeikommandanten beteiligt gewesen zu sein. Für heute ist ein weiterer Prozess gegen mehr als 600 Muslimbrüder angesetzt. Katholisch.de hat mit dem Islamwissenschaftler und missio -Referenten Matthias Vogt über das Urteil und mögliche Folgen gesprochen.

Frage: Herr Vogt, wie empfinden Sie das Urteil?

Vogt: Es ist natürlich ein äußerst hartes Urteil. Als grundsätzlicher Gegner der Todesstrafe möchte ich es ohnehin nicht billigen. Das Urteil wird – sofern es ausgeführt wird – den Muslimbrüdern außerdem eine ganze Menge Märtyrer schaffen, mit der Gefahr, dass der Einfluss der Muslimbrüder letztlich in Ägypten doch wieder wächst. Damit würde dann genau das Gegenteil erreicht werden von dem, was der harte Kurs der Übergangsregierung eigentlich erreichen möchte; nämlich den Einfluss der Muslimbrüder in der Gesellschaft Ägyptens zurückzudrängen.

Frage: Aber was verspricht sich die Regierung denn dann von so einem Urteil?

Vogt: Auf der einen Seite möchte man sicherlich ein Exempel statuieren. Die Muslimbrüder werden in einem großen Teil der Gesellschaft seit der Mitte des letzten Jahres mehr und mehr als Terrorgruppe wahrgenommen, auch von der Regierung. Die möchte letztlich zeigen, dass sie mit großer Härte gegen die Muslimbrüder vorgeht. Seit Mitte des letzten Jahres werden sehr viele Anschläge auf Polizeistationen, auf Regierungseinrichtungen, auf Schulen, aber auch auf christliche Kirchen und Einrichtungen – also Einrichtungen der Minderheiten – den Muslimbrüdern oder ihren Sympathisanten zugeschrieben. Aus diesem Grund gibt es im Moment einen großen Rückhalt in der Bevölkerung für den harten Kurs der Regierung gegen die Muslimbrüder. Auf der anderen Seite schätze ich, dass bestimmt zehn Prozent der Ägypter die grundsätzlichen gesellschaftlichen Vorstellungen der Muslimbrüder teilen. Ich fürchte, dass durch solch ein hartes Urteil und über mögliche sogenannte Märtyrer diese Strömungen mehr Zulauf bekommen werden.

Frage: Sind die Muslimbrüder denn wirklich so radikal wie sie gerade wahrgenommen werden?

Vogt: Die Mehrheit der Muslimbrüder ist eigentlich eher gemäßigt, also nicht so radikal wie sie sich im letzten halben Jahr teilweise selbst dargestellt haben oder von der Übergangsregierung in der Öffentlichkeit dargestellt werden. Es werden jetzt alle radikal-islamischen Gruppen, also auch Salafisten und Dschihadisten, mit den Muslimbrüdern in einen Topf geworfen. Anschläge dieser Extremisten werden in der öffentlichen Wahrnehmung den Muslimbrüdern in die Schuhe geschoben.

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