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Fernando Boteros "Via Crucis" in Rom

Kreuzweg mal anders

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Jesus und Volksmenge
Rom - Figuren mit rubensähnlichen Rundungen - dafür ist der kolumbianische Maler und Bildhauer Fernando Botero weltbekannt. In diesem Stil hat er sich auch dem Kreuzweg gewidmet, der nun in Rom zu sehen ist.

Der "Palazzo delle Esposizioni" unweit des römischen Hauptbahnhofs Termini zeigt den Leidensweg Jesu in der persönlichen Version des kolumbianischen Künstlers. Bis 1. Mai ist der "Via Crucis"-Zyklus aus den Jahren 2010/2011 mit seinen 27 Ölgemälden und 34 Zeichnungen zu sehen.

Der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Kardinal Gianfranco Ravasi, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), viele Kunstkritiker und Museen für zeitgenössische Kunst beachteten den Kolumbianer vielleicht noch wenig. Er freue sich aber, dass Rom mit Botero einen beim Publikum auch aufgrund seines hohen Wiedererkennungswerts sehr beliebten Künstler zeige. "Ich persönlich wäre dafür gewesen, die 'Via Crucis' auch im Braccio di Carlo Magno am Petersplatz auszustellen", so Ravasi. Aus Gründen der Unparteilichkeit zeige der Vatikan aber dort zu Recht keine Werke einzelner, noch lebender Künstler.

Jesus ist Zeitgenosse der Menschen

Botero schuf die "Via Crucis"-Bilder anlässlich seines 80. Geburtstags und vermachte sie dem Museo de Antioquia in seiner Heimatstadt Medellin. Dort waren sie zu Ostern 2012 erstmals zu sehen. Ravasi sagte, der Kreuzweg sei schon immer Thema der bildenden Kunst. Botero, der sich selbst als Agnostiker bezeichne, zeige in seinen Bildern Jesus inmitten von Männern und Frauen mit modischer Kleidung - für den Kardinal ein Zeichen dafür, dass Jesus immer Zeitgenosse der Menschen sei.

Beim "Judaskuss" (2010) hat sich Botero selbst ins Bild geschlichen - im Selbstporträt am linken unteren Bildrand, im besten Anzug, mit Krawatte und deutlich kleiner als die anderen Figuren. Botero ist mehr als nur Beobachter, steht da mit erhobenem Zeigefinger - als wolle er mahnen oder warnen.

  • Tod Christi
    Fernando Boteros Kreuzweg beginnt mit Maria und dem toten Jesus (2011).
  • Jesus und Volksmenge
    Jesus und die Volksmenge, eine der Kreuzwegstationen des kolumbianischen Malers Fernando Botero.
  • Judaskuss
    Judas küsst Jesus, um ihn den Soldaten auszuliefern. Das Gemälde von Fernando Botero heißt "Judaskuss".
  • Mutter Jesu
    Maria, die Mutter Jesu, beweint den Tod ihres Sohnes. Eines der 27 Ölgemälde des "Via Crucis"-Zyklus von Fernando Botero aus den Jahren 2010/2011.
  • Weinende Maria
    Weinende Maria unter dem Kreuz von Jesus auf einem Ölgemälde des kolumbianischen Malers und Bildhauers Fernando Botero.

    Museumsdirektor Mario De Simoni ist sichtlich stolz, dass der Palazzo delle Esposizioni die Kreuzwegausstellung gerade jetzt in die Ewige Stadt geholt hat - vor Ostern und im von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit. "Es schien uns ein angemessenes Zeichen gegenüber dem römischen Publikum und gegenüber den Touristen und Pilgern, die zum Heiligen Jahr hierherkommen."

    Drama Christi und heutige Dramen fallen zusammen

    Das Lieblingsbild des Direktors ist die "Kreuzigung" (2011). Es zeigt einen gewohnt üppigen Botero-Jesus am Kreuz - allerdings mit ungewohnt grünlicher Haut und nicht auf dem Golgota-Hügel, sondern im Central Park von New York. Erdtöne und Grün beherrschen das großformatige Ölgemälde (206 x 150 cm). Auf der grünlichen Haut Jesu und vor den grünen Bäumen des Parks fällt die Komplementärfarbe Rot besonders auf: Einige Blutstropfen aus den Wunden Jesu flammen karminrot auf. Boteros Stil der Rundungen, der seinen Figuren immer besondere Plastizität verleiht, findet sich hier im Kleinen - und lässt die wenigen Blutstropfen erschreckend echt wirken. "Es ist ein bedeutendes Werk, denn in gewisser Weise fallen hier das Drama Christi und die Dramen unseres Jahrhunderts zusammen", so die Interpretation De Simonis. New York, eine der Wahlheimaten Boteros, symbolisiere für den Künstler nicht nur die Freuden des Lebens, sondern auch das Schlechte.

    Beim Publikum in Rom kommt die "Via Crucis" offenbar gut an: In den ersten fünf Tagen der Ausstellung kamen nach Museumsangaben bereits gut 5.000 Besucher. Eine irische Touristin sagt: "Ich bin froh, in der Fastenzeit mal einen anderen Blick auf den Kreuzweg werfen zu können als in den Kirchen."

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