"Letzte Generation" kritisiert Papst: Beten reicht nicht mehr aus
Die Aktivisten der "Letzten Generation" in Italien haben Papst Franziskus für dessen Äußerungen über Klimaaktivisten und ihre Aktionen kritisiert. "Im Moment reicht das Gebet nicht mehr aus, denn obwohl das Gebet laut Papst Franziskus eine der größten Formen des Protests ist, scheren sich die Politiker dieses Landes einen Dreck um unsere Gebete, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, ihre Tempel mit Geld zu füllen", heißt es in einer Videobotschaft, über die die italienische Tageszeitung "La Stampa" am Mittwoch berichtete.
Die Gruppierung reagierte in ihrer Stellungnahme auf die Äußerungen des Papstes auf dem Rückflug von seiner Mongolei-Reise. Dort hatte er zwar Verständnis für junge Klimaaktivisten geäußert. Aus Sorge um ihre Zukunft kämpften sie, das finde er grundsätzlich gut. Jegliche Form von Extremismus lehne er aber ab, so der Papst.
Sie lese die Worte des Papstes mit Bitterkeit, sagte eine Aktivistin, die laut Bericht für das Festkleben am Sockel der Laokoon-Gruppe in den Vatikanischen Museen verurteilt wurde. "Was sollen wir mit unserer Sorge um unsere Zukunft anfangen, wenn nicht, sie in konkrete Taten umzusetzen?", fragte sie. "Wie sollen wir die notwendigen Erschütterungen für einen radikalen Wandel herbeiführen, wenn wir nicht ebenso radikale Aktionen mit konkreten politischen Forderungen durchführen?" Von der Politik habe es bisher nur Versprechungen gegeben, die Emissionen seien aber weiter gestiegen. "Wenn wir nicht mit zivilem Ungehorsam protestieren, bleibt uns nur die Gartenarbeit."
Die "Letzte Generation" forderte den Papst auf, dem Beispiel des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, António Guterres, zu folgen, der seit Längerem erkannt habe, dass "die wirklich gefährlichen Radikalen die Länder sind, die die Produktion fossiler Brennstoffe steigern", heißt es im Bericht. Die Gruppe "Letzte Generation" sorgt seit über einem Jahr mit Straßenblockaden und anderen Protestaktionen in vielen deutschen und europäischen Städten für Aufsehen, Debatten und Polizeieinsätze. Die oft jungen Aktivisten der Gruppe sehen sich als Teil der letzten Generation, die den drohenden Klimakollaps der Erde noch verhindern kann. (cbr)