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Vorwürfe bei Gottesdienst zu Regierungswechsel in Chile

Missbrauch: Kardinal wehrt sich gegen Kritik von neuem Präsidenten

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Kardinal Francisco Errazuriz
Santiago - "Es ärgert mich, Herrn Ezzati zu sehen. Es ärgert mich, die Leute zu sehen, die als Vertuscher agiert haben": Beim Gottesdienst zum Regierungswechsel in Chile teilte der neue Präsident Gabriel Boric gegen zwei Kardinäle aus. Einer wehrt sich nun.

In Chile hat Kardinal Francisco Javier Errazuriz nach Vorwürfen des neuen Präsidenten Gabriel Boric Unkenntnis bemängelt. Es scheine, als wisse Boric nicht alles, was getan worden sei, um die Missbrauchsfälle von Fernando Karadima zur Kenntnis zu bringen, sagte Errazuriz laut CNN Chile (Mittwoch, Ortszeit). So habe die Kirche unter anderem ein Urteil gegen ihn gesprochen, der Vatikan eine Strafe gegen den Priester verhängt.

Es sei für einen Präsidenten, der gerade erst die Verantwortung übernommen habe, unmöglich zu wissen, wer Jahr für Jahr an den Sitzungen teilgenommen habe, was Kardinal Ricardo Ezzati und was er selbst getan hätten, um gegen Machtmissbrauch in Chile zu kämpfen, sagte Errazuriz.

Er fühle sich durch die Worte des Präsidenten nicht beleidigt, weil sie aus einer Unwissenheit heraus geboren seien. Zudem habe der Präsidentenpalast Zugang zur Liste der geladenen Gäste gehabt. An diesem Gottesdienst hätten in der Vergangenheit immer zahlreiche Christen teilgenommen, darunter auch aktive und emeritierte Bischöfe sowie Vertreter anderer Glaubensrichtungen. Errazuriz (88) war von 1998 bis 2010 Erzbischof von Santiago de Chile. Zudem war er Vorsitzender der Chilenischen Bischofskonferenz und Präsident der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen CELAM sowie bis 2018 Mitglied des Kardinalsrats von Papst Franziskus.

"Es ärgert mich, Herrn Ezzati zu sehen..."

Chiles neuer sozialistischer Präsident Boric hatte die katholische Kirche zu einem konsequenten Verhalten gegenüber Funktionsträgern aufgerufen, denen Missbrauch oder Vertuschung vorgeworfen wird: "Es ärgert mich, Herrn Ezzati zu sehen. Es ärgert mich, die Leute zu sehen, die als Vertuscher agiert haben." Boric kritisierte damit die Anwesenheit der in die Kritik geratenen Kardinäle Ezzati und Errazuriz bei einem ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Regierungswechsels. Gastgeber war Santiagos amtierender Erzbischof, Kardinal Celestino Aos.

Die chilenische Kirche war in den vergangenen Jahren von einem schweren Missbrauchsskandal erschüttert worden. Eine Schlüsselrolle spielte der inzwischen verstorbene und zuvor aus dem Klerikerstand entlassene Priester Karadima. 2011 wurde er wegen sexueller Vergehen verurteilt. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, von denen inzwischen mehrere zurückgetreten sind.

Medienberichten zufolge ermittelte Chiles Justiz anschließend in mehr als 200 Verdachtsfällen wegen Missbrauchs gegen über 200 Mitarbeiter der Kirche. Bei den mutmaßlichen Opfern gehe es um rund 240 Personen, von denen etwa die Hälfte zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen sein soll. Zwischenzeitlich tritt nahezu die gesamte Chilenische Bischofskonferenz zurück. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ezzati. Der ehemalige Erzbischof wiederum beteuert seine Unschuld. Ezzati (80) war von 2010 bis 2019 Erzbischof von Santiago und von 2010 bis 2016 Vorsitzender der Chilenischen Bischofskonferenz. (tmg/KNA)

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