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Kirche macht auf Weltklimagipfel aufmerksam

Mit dem "Klimazug" und zu Fuß nach Paris

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Bonn - Berlins Erzbischof Heiner Koch diskutierte im "Klimazug", Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke fordert "eine neue Form der Askese" und knapp 5.000 Klimapilger übergeben in Paris ihre Petitionen. Die Erwartungen der Kirche an den Klimagipfel sind hoch.

Dabei beteiligte er sich an einer Diskussion über das Thema "Wie sozial ist die Öko-Idee? Über die neue Umweltpolitik des Papstes". Koch hob das ökologische Engagement des Kirchenoberhaupts hervor. Zwar engagierten sich kirchliche Gruppen seit langem für die Bewahrung der Schöpfung. Mit seinem Lehrschreiben "Laudato Si" habe Papst Franziskus das Thema jedoch für alle zur Verpflichtung gemacht. "Es ist ein Weckruf, der sich an die ganze Menschheit richtet", erklärte der Erzbischof.

Der Papst fordere nicht nur auf, dass jeder Mensch für sich zu einem ökologisch verträglichem Verhalten umkehre, sondern mahne auch zum Druck auf Politik und Gesellschaft, sagte Koch. Als Grund führte er an, dass Franziskus die Folgen des Klimawandels in seiner Heimat Lateinamerika "viel dramatischer»" wahrgenommen habe als in Europa. Dies gebe seiner Enzyklika eine besondere Eindringlichkeit. "Ich kann mich an kein päpstliches Schreiben erinnern, auf das ich so häufig angesprochen wurde", betonte der Erzbischof.

Heiner Koch im Porträt
Erzbischof Heiner Koch lobte das ökologische Engagement von Papst Franziskus.

Der Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, kritisierte, der vor allem von den entwickelten Ländern ausgelöste Klimawandel verschärfe die Ungleichheiten zwischen armen und reichen Regionen. Die Kirche verstehe sich als Anwalt etwa der pazifischen Inselvölker, die vom Anstieg des Meeresspiegels existenziell betroffen seien.

Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Karin Kortmann, warb für den "Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit", dessen Schirmherrin sie ist. Das Leitwort "Geht doch!" trage einen doppelten Sinn, so die frühere Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium. Das Motto beschreibe den Aufbruch der Pilger und erinnere zugleich daran, dass eine Veränderung möglich sei.

Rund 5.000 Pilger waren für Klimagerechtigkeit unterwegs

Zum Abschluss des Pilgermarschs, auf dem rund 5.000 Menschen von Flensburg nach Paris unterwegs waren, übergaben die Teilnehmer am Samstag Petitionen an führende französische Politiker und an die Generalsekretärin des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen (UNFCCC), Christiana Figueres. Anschließend war ein interreligiöses "Fest der Pilger" mit Ehrengästen geplant. Zugesagt hatten unter anderen der Generalsekretär des Weltkirchenrates Olav Fykse Tveit, der Weltkirche-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick, Frankreichs Islamrats-Präsident Anouar Kbibech und der anglikanische Bischof Graham Usher aus England.

Unterdessen hat sich auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke zum am Montag beginnenden Weltklimagipfel geäußert. Er hoffe, dass das Bewusstsein um die Dramatik der globalen Klimasituation wachse und die Politik zu einem entschlosseneren Handeln veranlasse, sagte er am Wochenende der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Eichstätt. Ohne dieses Bewusstsein werde "alle Umweltpolitik nur Kosmetik bleiben". Hanke wünscht sich zudem mehr Konsequenz im Nachdenken über neue Formen des Wirtschaftens. "Wirtschaft mit grenzenlosem Wachstum, das ist kein Weg für die Zukunft."

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke gilt in der deutschen Kirche als Vorreiter auf dem Gebiet der Ökologie.

Hanke warnte mit Blick auf die Bekämpfung des Klimawandels vor einer "Gebots- und Verbotsstrategie". Alle großen globalen Umweltprobleme hätten einmal im Inneren des Menschen begonnen, deshalb fingen hier auch alle Verbesserungen an: "In seiner Freiheit von falschen Bedürfnissen, seiner Freiheit von der Sucht, immer mehr haben zu wollen." Dies sei ein sehr steiniger und harter Weg, erläuterte der Geistliche. "Der längste Weg, den es auf der Welt gibt, ist der vom Kopf ins Herz."

Hanke fordert neue "neuen Form der Askese"

Der Eichstätter Bischof rief zugleich zu einer "neuen Form der Askese" auf: "Ich muss wissen, dass ich bei allem, was ich mir hier in Deutschland leiste und kaufe, die Gesamtvernetzung unserer klimatischen Bedingungen beeinflusse." Die katholische Kirche mit ihrer reichen spirituellen und asketischen Tradition solle den Begriff des Verzichts "noch viel kreativer" mit der modernen Verantwortlichkeit für die Schöpfung verbinden, sagte Hanke.

Beim Weltklimagipfel, der bis 11. Dezember in Paris tagt, wollen sich 195 Staaten auf Maßnahmen zur Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs verständigen. Der Verhandlungsprozess war bereits 1992 in Rio de Janeiro gestartet worden; seit 1995 gibt es jährliche Konferenzen. Die Erderwärmung gilt als eine der wichtigsten Ursachen für Umweltkatastrophen, etwa Überschwemmungen und Dürreperioden, sowie in der Folge für globale Migrationsbewegungen. (bod/KNA)

Themenseite: Pilgerweg

Anlässlich der UN-Klimakonferenz Anfang Dezember in Paris hat ein breites ökumenisches Bündnis zu einem Pilgerweg für Klimagerechtigkeit eingeladen. Der Pilgerweg startete am 13. September in Flensburg und endet am Samstag in Paris.

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