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Christof Haverkamp zur Präsidentenwahl in Österreich

Mit Gott in den Wahlkampf?

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Schachfigur
Bonn - Christof Haverkamp zur Präsidentenwahl in Österreich

Fast überall in Europa zeigt sich das Gespenst des Populismus: Gefühle wie Unsicherheit und Angst vor Terror machen sich in Deutschland und den Nachbarländern breit, und ebenso Entfremdung, Frustration, Feindseligkeit und Wut. Das politische Klima wird härter, und die Gesellschaft ist in vielen Ländern auch angesichts der Flüchtlingsfrage tief gespalten. Das gilt aktuell für Österreich, wo die Wähler am Sonntag im dritten Anlauf über den künftigen Bundespräsidenten abstimmen.

Neu ist für die Alpenrepublik, dass diesmal keiner der Kandidaten katholisch ist, obwohl katholische Christen die Mehrheit im Land stellen. Und erstmals in der Nachkriegsgeschichte sind die Regierungsparteien nicht in der Stichwahl vertreten – die SPÖ und die christdemokratisch geprägte ÖVP, zwei zerstrittene Koalitionspartner, bleiben außen vor.

Neu ist ebenso, dass der zum Protestantismus konvertierte FPÖ-Kandidat Norbert Hofer mit einem religiösen Thema in den Wahlkampf zieht: Auf seinen Plakaten steht der Zusatz "So wahr mir Gott helfe". Dafür wird er nicht nur von evangelischen Bischöfen heftig kritisiert. Hofers Gegenkandidat Alexander Van der Bellen versteht sich als Agnostiker; der Grünen-Politiker sagt von sich, er habe als Jugendlicher den Glauben an Gott verloren, schätze aber die Bergpredigt.

Wen wählen? Unpassend ist es jedenfalls, wie Hofer mit Gott auf dem Plakat in den Wahlkampf zieht und damit vermutlich auf ÖVP-Wähler zielt. Unpassend, weil Gott nicht instrumentalisiert werden sollte. Die österreichischen Bischöfe waren gut beraten, keine Empfehlung abzugeben und sich auf Sachfragen zu beschränken – gerade weil auch das Kirchenvolk polarisiert ist.

Egal, wer die Mehrheit erhält: Der künftige Bundespräsident muss beweisen, dass er die gesamte österreichische Bevölkerung vertreten will und nicht nur jene, die für ihn gestimmt haben. Nur dann kann er als moralische Instanz wirken. Leicht wird das nicht angesichts der aufgeheizten Stimmung.

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