Mörder freut sich auf Seligsprechung seines Opfers
Der Mörder der indischen Klarissenschwester Rani Maria, Samandar Singh, freut sich auf die Seligsprechung seines Opfers, die im November stattfinden soll. Das berichtete die US-amerikanische Zeitung "National Catholic Register" am Dienstag. Singh hatte die Ordensfrau im Jahr 1995 mit über 50 Messerstichen getötet. "Was passiert ist, ist sehr schlimm und hätte nicht passieren dürfen", zitiert die Zeitung ihn, "aber was bald passieren wird, ist gut, und ich freue mich darauf." Im Jahr 2006 wurde Singh auf Betreiben der Familie des Opfers und des Klarissenordens vorzeitig aus der Haft entlassen.
Schwester Rani Maria hatte sich in den Dörfern der indischen Ureinwohner für die Armen eingesetzt, die im hinduistischen Kastensystem ganz unten angesiedelt sind und unterdrückt werden. Hindu-Nationalisten sahen in ihr eine zunehmende Bedrohung und beschuldigten sie, die unteren Kasten und Kastenlosen gegen die Vorherrschaft der oberen Kasten zu organisieren. Schließlich engagierten sie den hinduistischen Auftragsmörder Samandar Singh. Dieser tötete die damals 41-jährige Ordensfrau am 25. Februar 1995 während einer Busfahrt vor den Augen der anderen Passagiere. Im Jahr 1996 wurde Singh zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
"Christen haben mich verändert"
Ursprünglich habe er geplant, so Singh, am Tag seiner Entlassung den Auftraggeber des Mordes zu töten und sich anschließend zu erhängen. Sein "Verlangen nach Rache" habe er jedoch durch die regelmäßigen Besuche eines katholischen Priesters ab 2001 überwinden können. Dieser brachte laut Singh eines Tages auch die jüngere Schwester seines Opfers, ebenfalls Klarissin, mit ins Gefängnis. Sie habe ihm vergeben und ihn bis zu seiner Entlassung immer wieder in der Haft besucht. "Ich konnte das nicht glauben", so Singh. Letztendlich waren es auch Erklärungen, die die Opferfamilie und der Klarissenorden unterzeichneten, die zu seiner vorzeitigen Haftentlassung führten.
Im Jahr 2007 hatte Singh die Gelegenheit, die Eltern seines Opfers persönlich zu treffen. Auch diese hätten ihm verziehen. "Der liebevolle Umgang der Christen mit mir hat mich verwandelt", sagt der 50-Jährige, der sich heute selbst für Arme und Benachteiligte einsetzt. Das habe ihm vonseiten fundamentalistischer Hindus den Vorwurf des Verrats eingebracht – zumal die Geschichte verbreitet wurde, er habe sich taufen lassen und sei zum Christentum konvertiert. Dies entspreche jedoch nicht der Wahrheit, so Singh: "Ich bin kein Christ geworden. Aber ich liebe die Christen, weil sie mich verändert haben." (tmg)