Nach heftiger Kritik an Beförderung: Priester tritt zurück
Wegen massiven Drucks und deutlicher Kritik hat der Erzbischof von Toulouse den erst kurz zuvor ernannten Kanzler des Erzbistums, einen vor mehreren Jahren wegen Vergewaltigung eines Minderjährigen verurteilten Priester, zum Rücktritt aufgefordert. Dieser habe die Konsequenzen gezogen, teilte die Erzdiözese am Wochenende mit. "Auf meine Bitte hin ist Pater Dominique Spina mit Offenheit des Herzens von seinem Amt als Kanzler zurückgetreten. Ich danke ihm dafür", erklärte Erzbischof Guy de Kerimel.
Seine Entscheidung begründete der Erzbischof damit, Spaltungen im Episkopat vermeiden zu wollen. Zugleich bat er die Missbrauchsbetroffenen um Vergebung. Er habe versucht, zwei Forderungen des Evangeliums miteinander zu vereinbaren: Gerechtigkeit für die Betroffenen und Barmherzigkeit für die Schuldigen. Diesen Versuch kritisierte das Präsidium der Französischen Bischofskonferenz vergangene Woche. Eine Ernennung für ein so wichtiges Amt könne Wunden wieder aufreißen, hieß es seitens der französischen Bischöfe.
Rücktritt nach anhaltenden Kontroversen
Der Rücktritt erfolgte nach mehr als zwei Monaten anhaltender Kontroversen. Anfang Juni hatte der Erzbischof von Toulouse den Priester zum Kanzler der Erzdiözese ernannt, nachdem dieser zuvor fünf Jahre lang im Archiv gearbeitet hatte. 2006 war er wegen der Vergewaltigung eines 16-jährigen Gymnasiasten im Jahr 1993 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Vier Jahre verbüßte er in Haft, ein Jahr wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Der Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission zu Missbrauch in der Kirche (Ciase) hatte 2021 in Frankreich für Aufsehen gesorgt. Demnach wurden seit 1950 rund 216.000 Minderjährige Opfer sexueller Übergriffe durch Priester, Diakone und Ordensleute. Unter Einbezug anderer kirchlicher Mitarbeiter lag die Schätzung sogar bei 330.000 Opfern. (mtr)