"Nicht in die Falle der Terroristen tappen"
Jones unterstützt die Forderungen Trumps, der nicht nur Moscheen überwachen und gegebenenfalls schließen möchte. Trump will die USA auch für Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten dicht machen und im Land lebende Muslime zwingen, sich in einem Register erfassen zu lassen. Jones findet das richtig. "Leider müssen wir mit allen Muslimen vorsichtig sein. Wie wollen Sie einen guten Muslim von einem IS-Anhänger unterscheiden?"
Mit ihrer Meinung steht sie nicht allein da. Neun von zehn republikanischen Wählern äußern in aktuellen Umfragen mehr oder weniger stark ausgeprägte Vorbehalte gegen Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak. Eine Mehrheit der US-Bürger (56 Prozent) möchte die Türen für Asylbewerber aus der Region schließen.
Politik mit der Fremdenangst
Bei den Vorwahlen machen die Präsidentschaftanwärter der US-Konservativen nun Politik mit der Fremdenangst. Sie überbieten sich öffentlich mit Aussagen gegen Menschen, die vor Bürgerkrieg und Terror geflohen sind.
Spitzenreiter Trump, der zweitplatzierte Ben Carson, der aussichtsreichste Kandidat Marco Rubio, der libertäre Rand Paul und Gouverneur Chris Christie wollen überhaupt niemanden mehr einreisen lassen. Der Establishment-Kandidat Jeb Bush und Tee-Party-Senator Ted Cruz schlagen vor, nach einer Art Test zur Ermittlung der Religion nur noch Christen in die USA kommen zu lassen.
Rückendeckung erhalten sie von fast allen republikanischen Gouverneuren, die eine Umsiedlung syrischer Flüchtlinge in ihre Bundesstaaten ablehnen. Und vom US-Repräsentantenhaus, das vergangene Woche einen Aufnahmestopp für die von Präsident Barack Obama zugesagten 10.000 Flüchtlinge beschloss. Dieses Gesetz wird Dank einer Veto-Drohung des Präsidenten nicht in Kraft treten, sendet aber ein Signal.
Katholische Bischöfe erhalten Rückendeckung von den Lutheranern
Die großen Religionsgemeinschaften in den USA halten nun gemeinsam dagegen. Der Vorsitzende des Komitees für Migration der katholischen US-Bischofskonferenz, Weihbischof Eusebio Elizondo, kritisierte die Haltung von Politikern, die Asylbewerber aus Syrien nicht aufnehmen wollen. "Diese Flüchtlinge fliehen selbst vor Terror - Terror, wie wir ihn gerade in Paris erlebt haben". Sie seien extrem verwundbar und dürften nicht zu Sündenböcken für die Verbrechen anderer gemacht werden. Elizondo erinnerte daran, wie wenig Flüchtlinge die USA überhaupt erst aufgenommen hätten - 2.200 in vier Jahren - und wie langwierig die oft bis zu zwei Jahre dauernden Überprüfungs-Verfahren seien.
Rückendeckung erhalten die katholischen Bischöfe von den Lutheranern, der anglikanischen Episkopalkirche, den Southern Baptist, den Methodisten und dem Dachverband der evangelikalen Kirchen in den USA. Mit an Bord sind auch die jüdischen Reformgemeinden, das American Jewish Komitee, die Anti-Defamation-League und die orthodoxe Union.
Ob Naturkatastrophen, Armut oder Terror: Täglich verlassen Menschen ihre Heimat, um anderswo ein neues, ein besseres Leben zu beginnen. Die Flüchtlinge kommen auch nach Deutschland. Das bedeutet eine große Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Kirche.
In seltener Übereinstimmung senden sie an die Politik eine klare Botschaft: Es sei unverantwortlich auf dem Rücken von Menschen auf Stimmenfang zu gehen, die vor Gewalt und Terror geflohen seien. Oder wie der Erzbischof von Miami, Thomas Wenski, sagt: "Wir dürfen nicht in die Falle tappen, die uns die Terroristen aufstellen".
Die Religionsgemeinschaften wissen wovon sie sprechen. Laufen doch 70 Prozent aller in den USA aufgenommen Flüchtlinge durch Eingliederungsprogramme, die von religiösen Organisationen durchgeführt werden.
Die öffentliche Kritik an den republikanischen Politikern ist delikat, da diese ihre Wählerbasis bei konservativen Christen und Juden haben. Entsprechend gereizt reagierten einige auf Nachfragen bei einem evangelikalen Kandidaten-Forum in Iowa, dem ersten Bundesstaat mit Vorwahlen.
Auf die Frage des Moderators, wie sich die Ablehnung syrischer Flüchtlinge mit christlichen Werten vereinbaren ließe, feuerte Fundi-Kandidat Ted Cruz zurück. Die USA täten schon genug. Sie gäben eine Milliarde Dollar für die Flüchtlinge aus. Das heiße nicht, dass alle ins Land kommen dürften. Cruz sprach den anwesenden offenbar aus der Seele. Er erhielt anhaltenden Beifall.