Nichts für Warmduscher
Höhepunkt des Treffens war am Samstag ein Abendgebet mit Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz, an dem rund 45.000 Menschen teilnahmen. Er hatte die Jugendlichen in seiner Predigt ermutigt, sich mit ihren Fähigkeiten und Talenten in die Kirche einzubringen. Die Kirche brauche die Jugendlichen, so Benedikt XVI. Sie müssten Mitverantwortung übernehmen. Zugleich versicherte er, dass die katholische Kirche das ökumenische Gespräch, eines der Hauptanliegen von Taize, fortsetzen werde.
Nicht genug Gastfamilien
Am Silvesterabend feierten die jungen Christen, unter ihnen 2.000 Deutsche, in den örtlichen Kirchengemeinden den Jahreswechsel mit einem "Fest der Nationen". Doch nicht alle hatten das Glück, bei Gastfamilien oder in Gemeindesälen unterzukommen. Zwar zeigte sich die Stadt demonstrativ gastfreundlich - Bürgermeister Gianni Alemanno nahm zwei Pilger bei sich auf -, dennoch mussten rund 3.000 Jugendliche in Messehallen außerhalb der Stadt schlafen. Etliche klagten über fehlendes warmes Wasser und suchten sich eine Unterkunft im Stadtzentrum.
Der 22-jährige Spanier Peter Prado-Armengou nahm die Dinge dennoch gelassen: "Das ist nun einmal der Geist von Taize: Bescheiden zu leben. Wir wussten, worauf wir uns einlassen." Hauptsache sei, die Verbindung zu anderen Christen zu spüren und fremden Kulturen zu begegnen.
Ziel des sogenannten "Pilgerweg des Vertrauens", den die Taize-Gemeinschaft seit 1978 jedes Silvester in einer anderen europäischen Stadt begeht, ist es, die unterschiedlichen Länder und Konfessionen Europas einander näherzubringen. In internationalen Gesprächsgruppen sprachen die Jugendlichen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Glauben und im religiösen Alltag. Die 23-jährige Marion Grolleau aus Paris erzählt, dass ihre Gruppe vor allem über das persönliche Verhältnis zu Gott gesprochen habe. Es sei um Fragen gegangen wie "Warum glaube ich?" und "Warum suche ich Gott?". "Das waren sehr tiefgründige Gespräche", sagt sie.
Begegnung mit der Armut und dem Reichtum in der Ewigen Stadt
Zum Programm gehörten auch Workshops, in denen sich die Jugendlichen mit gesellschaftspolitischen Themen wie Armut, Arbeitslosigkeit und Migration auseinandersetzten. Sie besuchten Vorträge von Anti-Mafia-Organisationen und Flüchtlingszentren. Der 23-jährige Lukasz Kin aus Polen war in einem Obdachlosenheim: "Ich verspüre in meinem Herzen den tiefen Wunsch, anderen zu helfen. Hier bekomme ich dazu Anregungen", sagt er.
Wer sich lieber mit den schönen Seiten Roms beschäftigen wollte, konnte die Vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle besichtigen oder die "Divina Commedia" von Dante hören. Die Abendgebete fanden in sieben Innenstadtkirchen Roms statt, darunter in Santa Maria Maggiore und Sankt Paul vor den Mauern. Taize-Prior Frere Alois hielt Impulsvorträge zum Thema Vertrauen und Solidarität. Auch das Gebet vor dem Taize-Kreuz hatte seinen Platz.
Nächste Station ist das Elsass
Das Hauptanliegen der Taize-Brüder war es, der Jugend Europas im Glauben Halt zu geben - auch über das Treffen hinaus. In Zeiten der Wirtschaftskrise sollten sich die jungen Studenten und Auszubildenden nicht entmutigen lassen, mahnte Frere Alois. In einer Gesellschaft, in der materielle Not und unsichere Arbeitsverhältnisse herrschten, müssten junge Menschen eine "innere Kraft" entwickeln. "Ich wünsche mir, dass ihr nach diesem Treffen mit Mut und Freude in die Zukunft schaut", sagte er den Jugendlichen. Der Pilgerweg des Vertrauens gehe weiter, auch im Alltag. Nächstes Jahr wird das Treffen in Straßburg stattfinden.
Von Claudia Zeisel