"Nichts konstruieren"
Der chaldäische Weihbischof in Bagdad sagteam Mittwoch Radio Vatikan "Der Anschlag geschah am Weihnachtstag, aber nicht weil gerade Weihnachten ist". Warduni verwahrte sich dagegen, einen solchen Zusammenhang zu konstruieren. Man dürfe die Dinge nicht vermischen; im Irak gebe es immer wieder Bombenanschläge, und sie hätten unterschiedliche Motive. Ähnlich äußerte sich auch der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako.
Falsche Argumente
Vergangene Woche seien auch zahlreiche Schiiten im Irak nach Anschlägen gestorben. Die islamische Glaubensgemeinschaft feiert derzeit das Arbain-Fest, das in diesem Jahr zeitlich mit dem christlichen Weihnachtsfest zusammenfällt. Nach Angaben des irakischen Innenministeriums wird der Markt nahe der Kirche, an dem die Autobombe explodiert, von Muslimen wie von Christen frequentiert.
Die Christen erführen in diesen Tagen viel Anteilnahme, sagte Warduni weiter. Die Gottesdienste seien sehr gut besucht, es herrsche Freude. Die Situation der Christen unterscheide sich nicht von der anderer Bürger im Irak. "Nur weil unsere Zahl klein ist, gibt es manchmal den Eindruck, den Christen ginge es schlecht", sagte Warduni. Diese Argumentation sei falsch. Die Christen wanderten nicht aus, weil sie besonders verfolgt würden; auch Muslime verließen das Land, so der Weihbischof.
38 Tote, 70 Verletzte
Bei zwei Anschlägen in einem auch von Christen bewohnten Viertel im Süden Bagdads sind am Weihnachtstag laut Medienberichten mindestens 38 Menschen getötet und rund 70 weitere verletzt worden. Wie der US-Sender CNN (Mittwoch) unter Berufung auf das irakische Innenministerium meldete, starben durch eine Autobombe nahe einer katholischen Kirche 27 Personen, 56 erlitten Verwundungen. Zuvor detonierte auf einem Markt ein weiterer Sprengsatz. Dabei kamen 11 Personen ums Leben, 14 wurden verletzt. Den Berichten zufolge explodierte die Bombe bei der Kirche in einem geparkten Wagen, als Gottesdienstbesucher die Weihnachtsmesse verließen.
In den vergangenen Jahren wurden Kirchen im Irak immer wieder Ziele von Anschlägen. Das bislang schwerste Attentat ereignete sich am 31. Oktober 2010. Damals starben in der katholischen Kathedrale von Bagdad mehr als 50 Menschen, die meisten von ihnen Christen. Von einst rund 1,2 Millionen Christen im Irak haben seit dem US-Einmarsch 2003 nach Angaben von Patriarch Louis Raphael I. rund 600.000 das Land verlassen. Andere Quellen sprechen von nur noch rund 400.000 Christen im Irak. (mir/KNA)
Der Irak zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten des Christentums. Vor der islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert stellten Christen sogar die Bevölkerungsmehrheit. Noch unter dem Regime von Saddam Hussein hatten sie vergleichsweise große Freiheiten. Seitdem sind viele von ohnen Sie vor Diskriminierung, Anschlägen und Entführungen nach Syrien, Jordanien, Libanon oder in den Westen geflogen. Heute leben im Irak noch etwa 400.000 Christen, damit haben etwa zwei Drittel der Christen das Land Beginn des Irak-Kriegs 2003 verlassen. Wegen der Gefahr durch radikale Muslime und kriminelle Banden hält der Exodus weiter an. Experten befürchten, dass das kirchliche Leben im Irak komplett verschwinden könnte. Die verbliebenen Christen leben vorwiegend in der Hauptstadt Bagdad und im kurdisch besiedelten Norden. (mir/KNA)