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Der Oranier-Orden appelliert an seine Mitglieder

Nordirlands Protestanten sollen auf "RIP" verzichten

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Ein Grabkreuz trägt die Buchstaben "RIP" für "requiescat in pace" - "ruhe in Frieden".
Bonn - Besonders im Internet ist es weit verbreitet: Das Kürzel "RIP" steht für das Andenken an Verstorbene. Radikale Protestanten in Nordirland wollen das ändern. Ihnen sind die Buchstaben zu katholisch.

Nordirische Protestanten sollen laut dem Oranier-Orden auf die Phrase "RIP" zum Andenken an Verstorbene verzichten. Das Forderung der radikal-protestantischen Organisation richte sich vor allem an ihrer Mitglieder, wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet. Die August-Ausgabe der Ordenszeitschrift "The Orange Standard" halte darüber hinaus "alle, die sich selbst als Protestanten sehen" an, die Abkürzung nicht mehr zu verwenden. Die Buchstaben "RIP" kürzen die Worte des liturgischen Gebets für die Toten, "requiescat in pace" (lat. "ruhe in Frieden") ab. Im Englischen steht die Abkürzung auch für das gleichbedeutende "rest in peace".

Protestanten sollten diese Worte im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen nicht gebrauchen, da sie "unprotestantisch, unbiblisch und ein aus dem Katholizismus rührender Aberglaube" seien. Die häufige Verwendung der Phrase etwa in Social Media zeuge von einer "spirituellen Verwirrung in protestantischen Kreisen".

Evangelikale: Gebet für die Toten ist abzulehnen

Auch Wallace Thompson, Vorsitzender der "Evangelical Protestant Society", einer Zusammenschluss evangelikaler Christen in Nordirland, kritisierte den Ausdruck. Er sei nach seinem Verständnis ein Gebet für die Toten und daher abzulehnen, sagt er in einem Radiointerview mit der BBC. Protestanten glaubten daran, dass die Entscheidung, ob ein Mensch in den Himmel oder in die Hölle gelangt, zum Zeitpunkt seines Todes bereits unveränderlich feststehe. Thompson erinnerte zugleich an die Grundsätze lutherischer Theologie, wonach der Mensch nur durch Christus ("solus Christus") das Heil erlange und allein durch seinen Glauben ("sola fide") zum Ewigen Leben komme.

Diese sogenannte Rechtfertigungslehre war Kernanliegen der Reformation und lange Zeit einer der wesentlichen Faktoren konfessioneller Auseinandersetzungen. Nach katholischer Lehre bedürfen die Seelen der Verstorbenen zunächst der Läuterung, bevor sie in den Himmel eingehen. Dabei können die Lebenden den Toten etwa durch Bittgebete zu Hilfe kommen. Im Jahr 1999 schlossen katholische Kirche, Lutherischer Weltbund und der Weltrat methodistischer Kirchen mit der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" einen ökumenischen Konsens in dieser theologischen Auseinandersetzung. Anfang Juli 2017 schloss sich auch die Weltgemeinschaft der reformierten Kirchen der Erklärung an.

Der Oranier-Orden ist die wichtigste Organisation radikaler Protestanten in Nordirland. Die Ende des 18. Jahrhunderts gegründete Bruderschaft ist maßgeblicher Akteur im Konflikt zwischen protestantischen und katholischen Iren. Bekannt sind die "Oranier" vor allem für ihre provokanten Aufmärsche in katholischen Stadtteilen, die häufig in gewalttätigen Ausschreitungen münden. (kim)

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