Nuntius fragt Laien nach Bischofskandidaten – und bittet um E-Mails
Der Apostolische Nuntius in Belgien, Erzbischof Franco Coppola, hat angekündigt, bei der Suche nach einem neuen Lütticher Bischof das Gespräch mit Laien zu suchen. Er wolle zuhören und erfahren, was die Menschen bewege, sagte Coppola dem belgischen Rundfunk "BRF" (Dienstag). In anderen Bistümern habe er bereits positive Erfahrungen damit gemacht und jeweils rund 1.000 Zusendungen erhalten. Die Realität sei nicht schwarzweiß, sondern komplex. Das habe er in Belgien gelernt.
Dem Bericht zufolge will Coppola die zwölf Dekanate des Bistums – darunter auch die beiden deutschsprachigen Dekanate Eifel und Eupen-Kelmis – besuchen. Bislang habe er das Bistum Lüttich als einen Ort erlebt, an dem Menschen mit verschiedenen Standpunkten in Harmonie zusammenlebten. Dies solle man fördern und pflegen, betonte der Nuntius, der seit fünf Jahren in Belgien lebt.
Coppola ermunterte die Menschen dazu, ihm ihre Vorschläge und Anregungen auch schriftlich oder per E-Mail mitzuteilen und offen darzulegen, wie sie die Kirche erlebten. Dabei betonte der Papst-Botschafter ausdrücklich, dass nicht bloß Katholiken Rückmeldungen geben könnten. Von den Eingaben erhoffe er sich nicht bloß Anregungen, sondern auch konkrete Namen. Schließlich kenne er nicht jeden Priester des Bistums persönlich. Die Gläubigen aber wüssten, ob ein Geistlicher nur gut predigen könne, oder ob er auch wirklich danach lebe.
Neuer Bischof im Sommer?
Das Bistum Lüttich wird gegenwärtig von Bischof Jean-Pierre Delville geleitet. Coppola sagte im Interview, wenn alles gut laufe, könne die Diözese bereits im kommenden Sommer einen neuen Bischof haben. Bis dahin bleibe der 75-Jährige im Amt.
Die Beteiligung von Laien bei der Ernennung von Bischöfen gehört zu den Reformforderungen, die auch im Rahmen der Weltsynode formuliert wurden. So heißt es im 2024 veröffentlichten Abschlussdokument der Synode, der Dienst des Bischofs sei ein Dienst in, mit und für die Gemeinschaft. "Deshalb wünscht die Synodalversammlung, dass das Volk Gottes bei der Wahl der Bischöfe eine größere Stimme hat." (Nr. 70)
Eine noch von Papst Franziskus (2013–2025) eingeführte Studiengruppe zum Bischofsamt hat sich auch in ihrem Abschlussbericht im Mai für die Einbindung von Laien in den Auswahlprozess künftiger Bischöfe ausgesprochen. Das Dokument hat sich unter anderem für regelmäßige Konsultationen innerhalb der Diözesen ausgesprochen. Dabei sollen auch Priester identifiziert werden, die als Bischofskandidaten geeignet sind. Zudem solle der Nuntius beim Einholen weiterer Informationen den "Reichtum und die Vielfalt des Volkes Gottes" berücksichtigen. "Es ist unerlässlich, nicht nur Geistliche, sondern auch eine möglichst gleich große Zahl von Ordensleuten und Laien zu befragen und dabei Risiken wie Klerikalismus, Politisierung oder Polarisierung der Ansichten sowie familiäre, stammesbezogene oder ethnische Einflüsse zu vermeiden."