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Ehe, Familienbild, Lebensschutz und Wirtschaft als Prüfsteine

Polnische Bischöfe veröffentlichen Wahlleitfaden für Katholiken

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Ein Mann bei der Wahl
Warschau - Es sei Katholiken-Pflicht, an Wahlen teilzunehmen, betonen Polens Bischöfe. Doch in der Wahlkabine gebe es in moralischen Fragen keine Kompromisse. Unmoralische Gesetze müssten respektiert werden, seien aber nicht verpflichtend für Katholiken.

Die polnische Bischofskonferenz hat einen Wahlleitfaden für Katholiken veröffentlicht. "Mit diesem Dokument wollen wir bei der Annäherung an die Wahlen helfen, die in den kommenden Monaten auf verschiedenen Ebenen (lokal, national, europäisch) stattfinden werden", heißt es in dem "Vademecum eines katholischen Wählers", das die polnischen Bischöfe am Donnerstag veröffentlicht haben. Darin betonen die Bischöfe, dass ein Katholik in bestimmten moralischen Fragen keine Kompromisse eingehen könne, da sie verpflichtend seien.

Die polnischen Bischöfe identifizieren sieben Themenfelder, die für Katholiken bei politischen Entscheidungen unverhandelbar seien. Beispielsweise müsse bei der Wahlentscheidung beachtet werden, dass die gewählte Partei sich "bedingungslos für das Recht auf Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende" einsetze. Zudem müsse sie die "Rechte der Familie schützen, die auf der monogamen Ehe zwischen Personen des anderen Geschlechts beruht." Es sei daher "inakzeptabel, andere Formen des Zusammenlebens mit der Familie gleichzusetzen".

Insgesamt habe der katholische Wähler zu beachten, dass er mit seiner Wahl keine Parteien unterstütze, die handeln, "als ob es Gott nicht gäbe". Eine katholische Wahlentscheidung unterstütze vielmehr den Einsatz für den "inneren und äußeren Frieden", sowie die ethische Gestaltung wirtschaftlicher Prozesse.

Verpflichtungen des christlichen Gewissens

"Ein richtig ausgebildetes christliches Gewissen erlaubt es niemandem, durch seine Stimme zur Verwirklichung eines politischen Programms oder eines bestimmten Gesetzes beizutragen, das die Grundprinzipien des Glaubens und der Moral untergräbt", betonen die Bischöfe.

Es sei die Pflicht eines Katholiken, an Wahlen teilzunehmen und eine Stimme nach seinem Gewissen abzugeben. Habe die Gesellschaft dann eine demokratische Entscheidung getroffen, müsse das Ergebnis respektiert werden – auch wenn es den Präferenzen des Wählers zuwiderlaufe. "Wenn die Autoritäten ungerechte Gesetze erlassen oder gegen die sittliche Ordnung handeln, sind diese Dekrete nicht für das Gewissen bindend", betonen die Bischöfe. Die Ablehnung solcher Gesetze durch den Katholiken ergebe sich aus dem Gehorsam gegenüber Gott. Polen wählt am 15. Oktober ein neues Parlament. In den vergangenen Monaten äußerten sich polnische Bischöfe vermehrt zu politischen Themen und versuchten sich an einer Verhältnisbestimmung von Kirche und Politik.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch äußerte sich zuletzt im katholisch.de-Interview zu politischen Entscheidungen, die Überzeugungen mancher Christen entgegenstünden – beispielsweise im Lebensschutz. In einer Demokratie werde man die eigenen Überzeugungen nie zu einhundert Prozent verwirklicht sehen, sagte Koch. "Deshalb sollte man auch als Christ strategisch denken und sich bei Gesetzesvorlagen zum Lebensschutz immer fragen, mit welcher Vorlage am meisten für den Lebensschutz erreicht werden kann – auch wenn das mitunter zur Folge hat, dass man schmerzhafte Kompromisse eingehen muss." Als Beispiel nannte er die aktuelle Debatte um die mögliche Streichung von Paragraf 218. "Unter den gegebenen Umständen bin ich eher für eine Beibehaltung des Paragrafen und damit für eine Regelung, mit der ich mich nach wie vor schwertue", so der Erzbischof. (ben)

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