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Weltkirche-Bischof zu Lage in der syrischen Stadt Aleppo

Schick: Weihnachten feiern, jetzt erst recht

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Ost-Aleppo am 15. Dezember 2016
Bamberg - Die Lage in Aleppo könnte vor allem für die Zivilisten dramatischer kaum sein. Auch der Bamberger Erzbischof Schick ist entsetzt. Im Interview erklärt er, wie jeder einzelne helfen kann.

Frage: Erzbischof Schick, die Nachrichten aus Aleppo erschrecken viele und erzeugen ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Kann man trotzdem etwas tun?

Schick: Dies ist die Stunde der humanitären Hilfe. Die ganze Weltgemeinschaft muss den leidenden Menschen in Syrien zur Seite stehen. Laut neuesten Berichten soll ja seit heute Nacht ein neuer Waffenstillstand gelten und Zivilisten sollen in Sicherheit gebracht werden. Dadurch scheint sich ein Fenster der Gelegenheit geöffnet zu haben, um vor allem die Zivilisten mit dem Notwendigsten zu unterstützen. Hilfe wird aber auch in jenen Gebieten gebraucht, in die die Bewohner Aleppos und der anderen umkämpften Orte geflohen sind. Die Kirche ist hier sehr aktiv. Aber unsere Hilfswerke brauchen Spender. Auch jeder in Deutschland kann also etwas Konkretes tun, um menschliches Leiden zu lindern.

Ludwig Schick ist Erzbischof von Bamberg und Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz

Frage: Die Weltgemeinschaft scheint gelähmt, auch der UN-Sicherheitsrat blockiert sich gegenseitig. Sehen Sie irgendwo einen Funken Hoffnung für die Menschen in der Region? Was muss passieren?

Schick: Eine tragfähige Lösung des Syrien-Konflikts liegt noch in weiter Ferne. Es wird sie nur geben, wenn Regierung, Rebellen und die in den Krieg involvierten Mächte ernsthafte Verhandlungen beginnen. Allein auf militärischem Weg können die Tod bringenden Verwerfungen nicht überwunden werden. Ohne Dialog kein Frieden! Gerade Papst Franziskus ist derzeit bemüht, Gesprächskanäle zu öffnen. So hat er Präsident Assad in einem Brief nachdrücklich an die Menschenrechte, an den Schutz von Zivilisten und den Zugang zu humanitärer Hilfe erinnert - ein Schreiben, das in Syrien starke öffentliche Beachtung gefunden hat. Der Apostolische Nuntius, Kardinal Mario Zenari, den ich vor einigen Monaten besucht habe, ist einer der wenigen Botschafter, die trotz des Krieges in Syrien ausharren. So zeigt die katholische Kirche, dass sie die Hoffnung auf Frieden für das geschundene Land nicht aufgibt.

Frage: Dürfen wir hier trotzdem fröhlich Weihnachten feiern, wenn gleichzeitig in Aleppo und an vielen anderen Orten Menschen leiden und sterben?

Schick: Wir dürfen nicht nur Weihnachten feiern, wir müssen es! Dieses Fest erinnert daran, dass Gott Mensch geworden ist, also die ganze Armut und Friedlosigkeit des Menschen an sich herangelassen und durchlitten hat. Die Liebe und Barmherzigkeit Gottes hat sich in Jesus ein menschliches Gesicht gegeben. Und darin liegt der Grund unserer Hoffnung auf Frieden: Gott selbst ist mit uns, wenn wir den Frieden bauen und der Gewalt nicht das letzte Wort lassen. Auch in Aleppo wird Weihnachten gefeiert. Der dortige maronitische Erzbischof, Joseph Tobji, sagte kürzlich: "Wir werden auf den Trümmern feiern, um zu erleben, dass die Hoffnung nicht stirbt, dass aus dem Tod Leben hervorkommt." Das ist die Perspektive, in der alle Christen das Weihnachtsfest auch in diesem Jahr begehen sollten.

Linktipp: Glocken für Aleppo

Hunderttausende Zivilisten leiden unter den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen um die nordsyrische Stadt Aleppo. Weltweit machen Kirchen mit ihren Glocken auf ihr Schicksal aufmerksam.

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