Schön und bedeutsam
Dieser barocke Bau liegt nicht nur an einer der berühmtesten Plätze Roms, der Piazza Navona, sondern auch vor dem Vier-Ströme-Brunnen von Gian Lorenzo Bernini (1598-1680). Dieses Kunstwerk, gekrönt von einem Obelisken, zieren vier Flussgötter, einer davon mit Pferd: Das ist die Donau. In Regensburg gibt es zwar keinen Vier-Ströme-Brunnen, dafür fließen in der bayerischen Stadt immerhin vier Flüsse zusammen.
Mit Pferden ist Müller bekanntermaßen ebenfalls vertraut: Auch als Kardinal will er im Juni wieder an der "Eucharistischen Prozession zu Pferde" im oberpfälzischen Bad Kötzting kommen, wie die Jahre zuvor. In seinem Vorzimmer im Palast der Glaubenskongregation begrüßt die Besucher zudem ein Porzellanpferd.
Zurück zum Brunnen: Die anderen drei Flussgötter der "Fontana dei Fiumi" verkörpern Ganges, Nil und Rio della Plata. Es sind die großen Flüsse der damals vier bekannten Erdteile. Auf der Krone der Felsenlandschaft ist schließlich das Wappen des Stifters mit Taube und Ölzweig zu sehen: Papst Innozenz X. (1644-1655). Der Brunnen sollte nicht nur schön aussehen, sondern auch den Machtanspruch des Papstes zu Ausdruck bringen.
Das Gotteshaus prägt die Piazza
Mit ihrer mächtigen Kuppel und den beiden baldachinartigen Glockentürmen prägt Sant'Agnese in Agone die Kulisse des Platzes. Erbaut wurde die Kirche von 1652 bis 1689 unter anderen von Francesco Borromini (1599-1667). Ihr Stifter war ebenfalls Innozenz X. Der Papst aus der Familie der Pamphili, deren Palast sich unmittelbar an das Gotteshaus anschließt, ist in der Kirche auch begraben. Heute befindet sich im Pamphili-Palast neben Sant'Agnese die brasilianische Botschaft für Italien.
Sant'Agnese in Agone erhebt sich an dem Ort, an dem im 3. Jahrhundert der Legende nach die christliche Jungfrau Agnes vor ihrem Martertod nackt der Menge vorgeführt werden sollte; durch ein Wunder sei sie plötzlich von einer üppigen Haarpracht verhüllt worden. Der Zusatz "in Agone", zu Deutsch "auf dem Kampfplatz" erinnert daran, dass sich die Kirche und der Platz auf den Fundamenten des ehemaligen Stadions von Kaiser Domitian befindet, einer antiken Wettkampfstätte.
Markanter Außenbau
Kunsthistorisch bedeutsam ist die Kirche vor allem wegen ihres dynamisch geschwungenen Außenbaus und ihrer Grundform, einem Quadrat mit abgeschrägten Ecken, dessen Seiten sich zu vier Kreuzarmen öffnen. Beherrscht wird der Innenraum von der hohen Kuppel. Das architektonische Vorbild von Sant'Agnese hat bis in Müllers alte Heimat, den süddeutschen Raum, gewirkt.
Sant'Agnese zählt zu den sogenannten Titeldiakonien, die vom Papst an jene Kardinäle vergeben werden, die Kurienämter bekleiden. Die Bischöfe der Weltkirche erhalten hingegen Titelkirchen; diese sind römische Pfarrkirchen. In beiden Fällen handelt es sich um einen symbolischen Akt, der daran erinnert, dass der Papst früher vom römischen Klerus gewählt wurde. Die Titeldiakonien gehen auf kirchliche Sozialstationen im spätantiken Rom zurück. Vor Müller war die Kirche dem italienischen Kardinal Lorenzo Antonetti zugeteilt. Die Kardinäle feiern in ihren Titeldiakonien oder -kirchen allerdings nur gelegentlich einen Gottesdienst.
Unter den jetzt zehn deutschen Kardinälen kann sich Müller mit seiner Titeldiakonie allemal sehen lassen: Der Präfekt der Glaubenskongregation hat zweifellos eine der schönsten und kunsthistorisch bedeutsamsten Kirchen unter seinen Landsleuten. Nur die Titelkirchen von Kardinal Friedrich Wetter, dem Münchener Alterzbischof, und des Kölner Kardinals Joachim Meisner können da mithalten. Wetter hat Santo Stefano Rotondo und Meisner Santa Pudenziana erhalten. Beide Kirchen zählen zu den bedeutendsten spätantiken Gotteshäusern Roms.
Von Thomas Jansen (KNA)
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