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Die Friedensbotschaft des Papstes prägte den Weltjugendtag

Signale aus Krakau

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Das Kreuz am Campus Misericordiae bei Nacht
Krakau - Papst Franziskus hat den Weltjugendtag genutzt, um zum Engagement für Flüchtlinge aufzurufen. Die Jugendlichen jubelten ihm zu. Aber Polens Ministerpräsidentin bekennt sich lieber zu Johannes Paul II.

Franziskus bekräftigte damit seine Kernbotschaft an die Jugendlichen in Krakau, die sich wie ein roter Faden durch die vergangenen Tage zog: Engagiert euch für eine Gesellschaft ohne Hass und Ressentiments gegenüber Fremden. Er verband dies mit dem Aufruf, rebellisch zu sein, Lärm zu machen, sich nicht anzupassen. So nachdrücklich hatte noch kein Papst die Jugendlichen zum Aufruhr ermuntert. Den moralischen Zeigefinger ließ Franziskus unten. Seine Wortwahl war auch für seine Verhältnisse bisweilen ungewöhnlich salopp. Wer hat je einen Papst von "duseligen Jugendlichen" sprechen hören, die ihr Glück aus Bequemlichkeit mit einem Sofa verwechseln? Als Hemmschuh erwies sich allerdings auch diesmal, dass der Papst nur Italienisch sprach oder Spanisch, wenn er sich spontan äußerte.

Mahnung an Polens Regierung

Für die polnische Regierung waren die Worte des Papstes alles andere als bequem: Immer wieder kam Franziskus auf Flüchtlinge zu sprechen. In seiner Rede vor Regierungsvertretern forderte er Polen mit deutlichen Worten zur Aufnahme von Flüchtlingen auf. Und in einem Gebet bat er später darum, dass der Terrorismus nicht zur Fremdenfeindlichkeit führen dürfe. Die polnische Regierung hatte ihre Weigerung zur Aufnahme von Flüchtlingen im November 2015 mit den islamistischen Anschlägen von Paris begründet. Allerdings ließ Franziskus auch Verständnis dafür erkennen, dass sich Polen mit Flüchtlingen schwerer tue als manch anders Land. Ihre Aufnahme hänge stets von der Kultur und den Möglichkeiten eines Landes ab, sagte er den Bischöfen.

Auch die katholische Kirche des Landes, der Kritiker vorwerfen, sie engagiere sich nicht genug für Flüchtlinge, nahm der Papst ins Gebet. Er forderte vor Priestern und Ordensleuten eine "Kirche im Aufbruch", die sich um Migranten und die Schwächsten in der Gesellschaft kümmere. Entgegen kam Franziskus den polnischen Bischöfen nur mit seinem Bekenntnis zum Schutz des ungeborenen Lebens.

Im Zeichen des Terrors

Es war ein Weltjugendtag in Zeiten des Terrors. Die Anschläge von Nizza, München, Ansbach und Saint-Etienne-du-Rouvray hinterließen Spuren. Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm: 38.000 Sicherheitskräfte bot Gastgeber Polen für den Abschlussgottesdienst am Sonntag auf. Zum Vergleich: für den Weltjugendtag 2005 in Köln waren 12.000 im Einsatz. Dennoch: Die Jugendlichen ließen sich ihre Freude, Ausgelassenheit und Unbekümmertheit offensichtlich nicht nehmen.

Polizist beim Weltjugendtag
Einer von 38.000: Polen sicherte den Weltjugendtag mit einem großen Aufgebot an Sicherheitskräften ab. Die Veranstaltung blieb ohne Zwischenfälle.

Auffällig war, dass der Papst jeden Hinweis auf den islamistischen Hintergrund der jüngsten Anschläge unterließ. Er sprach stets allgemein von Terrorismus ohne auf eine religiöse Motivation einzugehen. Eine mögliche Begründung hatte er bereits während des Hinflugs geliefert: "Die Welt ist im Krieg" sagte er. Dies sei jedoch kein Krieg der Religionen, sondern ein "Krieg des Geldes, der Interessen, der Ressourcen". Offenbar wollte Franziskus in Krakau alles vermeiden, was die Terror-Debatte religiös aufheizen könnte.

Schweigen in Auschwitz

Der schwerste Gang der Polen-Reise von Franziskus führte nach Auschwitz. Im ehemaligen Vernichtungslager machte er am Freitag seine Ankündigung wahr und schwieg konsequent. Mit dieser Geste beeindruckte er und bekam viel Lob. Überdies vermied er von vorneherein eine Debatte, wie sie die umstrittene Rede von Benedikt XVI. in Auschwitz auslöste.

Die Aufnahme in Polen jenseits des Weltjugendtags war freundlich, aber verhalten. Aus dem Schatten des allgegenwärtigen Johannes Paul II. konnte Franziskus nicht hervortreten. Das Stadtbild dominierte sein Vorgänger. Bezeichnend war die Aussage von Ministerpräsidentin Beata Szydlo vom Samstag: "Johannes Paul ist vor allem unser polnischer Papst und wird für uns immer am wichtigsten sein."

  • Agathe Lukassek, Redakteurin: Mein Lieblingsbild vom Weltjugendtag zeigt den seltsamen Umstand, dass es fast jeden Tag immer nachmittags ein bis zwei Stunden geregnet hat. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils gegen 16 Uhr; am Abschlusstag kam der Regen etwas früher - dafür aber umso heftiger. Immer zogen die WJT-Teilnehmer ihre Regencapes aus dem Pilgerrucksäcken, die es in den Farben Gelb, Blau und Rot gab. Am Donnerstag entstand dann dieses Foto von einer der bekanntesten Straßen der Krakauer Altstadt, der ul. Florianska, die vom Florianstor zum Hauptmarkt führt.
  • Stefanie Heinrichs, Social-Media-Redakteurin: Papst Franziskus ist der "Star" des Weltjugendtags. Die Jugendlichen lieben ihn und seine direkten Ansprachen. Dadurch baut der Papst eine persönliche Beziehung zu ihnen auf. Trotz der Zuneigung zu Franziskus vergessen die Jugendlichen in Polen nie den heiligen Papst Johannes Paul II. Er ist der Gründer des Weltjugendtags und in Polen trifft man ihn überall. Mein Lieblingsfoto entstand nach der Vigilfeier, bei der mit Lichttechnik ein Transparent mit einem Foto Johannes Paul II. in Szene gesetzt wurde.
  • Papst Franziskus im Papamobil
    Das Lieblingsbild von Volontärin Alicja Malinowski zeigt Papst Franziskus, der im Papamobil anjubelnden Jugendlichen vorbeifährt: "Gemeinsamer Glaube baut Brücken"
  • Auf dem Weg zum Campus Misericordiae
    Madeleine Spendier, Videoredakteurin: Gewitterstimmung, und doch gehen wir mit vielen bunten Erfahrungen in eine neue Hoffnung hinein: Christen sind wetterfest. Egal ob es regnet oder der Himmel dunkel ist, wir haben so viel schönes erlebt, das trägt – bis nach Panama. Aber erst mal unter die Dusche.
  • Salvatore Tesoro, Mediengestalter: Als ob Jesus – und Papst Franziskus – uns die ganze Zeit über beim Abschlussgottesdienst angeschaut hätten!
    Themenseite Weltjugendtag

    Im polnischen Krakau findet der 31. internationale Weltjugendtag statt. Katholisch.de berichtet von vor Ort über das Glaubenstreffen, an dem junge Pilger aus aller Welt gemeinsam mit Papst Franziskus teilnehmen.

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