Suche
Syro-malabarische Kirche

Sondergericht für Liturgiestreit aufgelöst

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Großerzbischof Raphael Thattil vereidigt das Gerichtspersonal des Sondergerichts
Kochi - Streit gab es nicht nur um die Liturgie, sondern auch das zuständige Sondertribunal. Auf Weisung Roms ist das Gericht jetzt aufgelöst worden.

Das Liturgietribunal der syro-malabarischen Kirche ist Geschichte. Großerzbischof Raphael Thattil hat das Sondergericht zur Behandlung von Fällen im Zusammenhang mit dem Liturgiestreit in der indischen katholischen Ostkirche am 30. September mit einem Dekret aufgelöst, das im aktuellen Amtsblatt des Großerzbistums Ernakulam-Angamaly (November) veröffentlicht wurde. Aus dem Dekret geht hervor, dass die Apostolische Signatur in Rom, das höchste Gericht der Kirche, die Auflösung genehmigt hatte, nachdem sie in vor dem Tribunal verhandelten Fällen angerufen wurde.

Das Sondergericht wurde Ende 2024 von der südindischen katholischen Ostkirche eingerichtet, um insbesondere Fälle rebellischer Kleriker im Streit um die Liturgie zu verhandeln. Begründet wurde die Einrichtung mit dem anhaltenden Widerstand gegen die Einführung einer einheitlichen Form der Messfeier. "Die anhaltende Disziplinlosigkeit hat zu Zwietracht unter den Gläubigen und Unruhen in der Gemeinschaft geführt, was die Einrichtung dieses Sondergerichts erforderlich machte", hieß es damals in der Mitteilung.

Aus der Begründung des Auflösungsdekrets geht hervor, dass die Apostolische Signatur durch eine Beschwerde eines Richters des Tribunals gegen eine Entscheidung des Generalmoderators der Gerichtsverwaltung mit dem Sondergericht befasst wurde. Diesem Amt kommt unter anderem die Aufgabe zu, alle Gerichte des Großerzbistums zu überwachen. Der Generalmoderator wurde in zwei Strafsachen angerufen mit Beschwerden über prozessuale Unregelmäßigkeiten beim Sondergericht. Auf die Beschwerden hin setzte der Generalmoderator die Verfahren aus. Gegen diese Entscheidung legte einer der Richter des Sondergerichts einen hierarchischen Rekurs bei der Apostolischen Signatur ein. Auf dieses Rechtsmittel hin untersuchte die Signatur die Arbeit des Sondergerichts. Dabei wurden neben prozessualen Fragen auch Fragen zur Zuständigkeit und Funktionsweise des Tribunals aufgeworfen. Im Zuge dessen ordnete die Signatur im Oktober 2025 an, alle laufenden Verfahren zu unterbrechen und keine neuen anzunehmen. Außerdem forderte sie die Akten der laufenden Verfahren an.

Verfahrener Streit

Nach Durchsicht der Akten beauftragte die Signatur das reguläre Kirchengericht des Großerzbistums Ernakulam-Angamaly im Januar 2026, die beiden Verfahren weiterzuführen, die zu der Beschwerde geführt hatten. Sobald die Verfahren abgeschlossen seien, sei Großerzbischof Thattil befugt, das Sondertribunal aufzuheben, heißt es im Dekret. Nachdem das zuständige diözesane Gericht nun entschieden habe, sei das Auflösungsdekret ergangen. Wie die beiden Fälle entschieden wurden, geht aus dem Dekret nicht hervor.

In der syro-malabarischen Kirche schwelt seit Jahren ein Streit um die Gottesdienstordnung. Die einheitliche Form sieht die Zelebrationsrichtung gen Osten vor, also mit dem Rücken zum Volk, während der Priester sich bei Lesungen und Gebeten dem Volk zuwendet. Gegner der einheitlichen Form wollen die durchgängige Feier in Richtung des Volkes beibehalten, die sich unter westkirchlichem Einfluss der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) entwickelt hat. Die neue Form der Liturgie wurde von der Synode, dem höchsten beschlussfassenden Gremium der Kirche, 2021 beschlossen. Im August 2025 schien es zunächst, dass der jahrelange Streit um die Feier der Liturgie durch einen Kompromiss beigelegt sei. Der Kompromiss sieht vor, dass eine Feier der von Gegnern der Liturgiereform bevorzugten Form weiterhin möglich ist, solange an Sonn- und Feiertagen mindestens eine Messe in der von der Synode beschlossenen Form gefeiert wird. Ende 2025 entflammte der Konflikt aber erneut, nachdem Gläubige die Kathedrale von Ernakulam-Angamaly besetzten. Im August 2026 bekräftigte die Synode den Kompromiss erneut.

Die syro-malabarische Kirche im Südwesten Indiens ist die größte der heutigen Kirchen und Gemeinschaften der Thomaschristen, die im ersten Jahrhundert durch den Apostel Thomas auf seinen Missionsreisen gegründet worden sein sollen. Durch Verbindungen zur Assyrischen Kirche des Ostens feiert sie ihre Liturgie im ostsyrischen Ritus. Im Zuge der portugiesischen Kolonialisierung wurden die Thomaschristen zur Übernahme westlicher Formen und Hierarchien gezwungen und zerbrachen in mehrere Kirchen.

kna-katholisch-swarm-node2 (0.002s)