Stola aus Stoffresten für den Kardinal
Nach zehn Jahren Wartezeit hat der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle eine Stola aus Stoffresten erhalten. 2007 hatte der damalige Bischof von Imus in einer Armensiedlung Manilas Cynthia Cabrera getroffen, die ihren Lebensunterhalt mit der Wiederverwertung von Stoffresten verdient. Er habe sie gebeten, ihm eine Stola anzufertigen, wie ucanews.com berichtet.
Zwei Jahre nach der Begegnung sei die Stola fertiggewesen. Cabrera habe aber nicht gewusst, wie sie Tagle erreichen könne, und habe daher die Stola einem anderen Priester gegeben. Später habe sie einen Jesuiten gesehen, der die Stola in einer Messe getragen habe, und ihn darauf angesprochen. "Ich bin mir nicht sicher, ob mein kleines Geschenk Sie erreichen kann, aber ich hoffe, dass es Ihnen gefällt", schrieb Cabrera in einem Brief, den Tagle erst im vergangenen Jahr erhielt.
Durch die Vermittlung des Jesuiten erreichten die Stola und der Brief Tagle, der mittlerweile Erzbischof von Manila ist. Bei der Philippinischen Konferenz für Neuevangelisierung zog er am vergangenen Sonntag die Stola aus der Tasche und rief die ebenfalls anwesende Cabrera auf die Bühne. "Diese Stola ist aus Stoffabfällen gemacht, von Menschen, die sich manchmal selbst wie Abfall fühlen", sagte der Kardinal, "aber in der Eucharistie werden Brotkrumen eins in Christus".
Luis Antonio Tagle ist seit 2011 Erzbischof von Manila und wurde im Jahr darauf von Benedikt XVI. zum Kardinal erhoben. Der 60-jährige ist außerdem Präsident von Caritas Internationalis. Der charismatische und volksnahe Kirchenmann gilt als Vertrauter von Papst Franziskus. (fxn)