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Deutsche Bischöfe verurteilen Gewalt in Jerusalem

Sünde gegen Gott

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Bonn/Jerusalem - Einen Tag nach dem Terroranschlag auf eine Synagoge in Jerusalem stehen die Zeichen im Nahost-Konflikt weiter auf Konfrontation. So hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die rasche Zerstörung der Häuser der beiden palästinensischen Angreifer vom Dienstag angekündigt. Er sieht sein Land in einem "Kampf um Jerusalem". Vertreter aus Kirche und Politik verurteilten unterdessen die Terrorattacken – mahnten aber auch Frieden für das Heilige Land an.

"Der jüngste Mord an Betenden in einer Jerusalemer Synagoge hat uns mit Entsetzen und tiefer Trauer erfüllt", erklärte Bischof Heinrich Mussinghoff am Mittwoch in Bonn. Der Aachener Oberhirte ist Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz. "Unser Mitgefühl ist bei den Opfern", so Mussinghoff. Nach aktuellen Medienberichten kamen bei dem Anschlag auf die Synagoge im Jerusalemer Stadtviertel Har Nov vier Rabbiner ums Leben, ein Polizist starb später im Krankenhaus. Acht weitere Männer sind schwer verletzt. Die beiden Attentäter wurden von Polizisten erschossen. Nach Polizeiangaben sollen sie aus Ostjerusalem stammen.

Porträt von Heinrich Mussinghoff
Bischof Heinrich Mussinghoff (Aachen) ist innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständig.

Laut Bischof Mussinghoff stelle der Anschlag eine neue Qualität der Gewalt im Nahen Osten dar. Es sei ein Akt besonderer Grausamkeit, wehrlose Menschen im Gebet zu überfallen und zu ermorden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Gotteshäuser – seien es Kirchen, Moscheen oder Synagogen – zu Stätten brutaler Gewalt werden", sagte der Bischof. Gotteshäuser seien Orte des Gebetes und Schutzraum für Menschen. "Wer Gotteshäuser schändet und betende Menschen angreift, versündigt sich auch gegen Gott. Dafür kann es keine Rechtfertigung geben, auch keine politische oder religiöse."

Bei seiner Generalaudienz am Mittwoch mahnte Papst Franziskus angesichts der Ereignisse Frieden für den Nahen Osten an. Derzeit sei die Lage von nicht hinnehmbaren Gewalttaten geprägt, die nicht einmal vor religiösen Kultstätten haltmachten, so der Papst. Allen Opfern dieser Anschläge und deren Folgen sicherte er sein Gebet zu. "Aus tiefem Herzen appelliere ich an die Konfliktparteien, der Spirale des Hasses und der Gewalt ein Ende zu setzen und mutige Entscheidungen für Versöhnung und Frieden zu treffen." Es sei schwer, Frieden zu schaffen; "aber ohne Frieden zu leben, ist eine Qual".

Deutsche Bundesregierung fordert Zurückhaltung

Auch Vertreter aus der Politik sprachen den Opfern des Anschlags ihr Mitgefühl aus. Die deutsche Bundesregierung bezeichnete die jüngste Gewalteskalation als Grenzüberschreitung in einer Region, in der auf beiden Seiten viel Leid passiert sei. Der Anschlag sei ein Grund zu äußerster Sorge, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Zugleich fordere die Regierung beide Seiten "zu äußerster Zurückhaltung und Mäßigung in einer aufgeladenen Situation" auf.

Auf eine Beruhigung der Lage hofft auch der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman. Hass und Hetze müssten ein Ende haben, forderte er in der ARD. Nach seiner Ansicht hätten "beide Seiten kein Interesse daran, dass die Lage eskaliert". Der Botschafter betonte weiter, Israel beabsichtige nicht, den Status des Tempelbergs in Jerusalem zu verändern. Der Streit darüber sei die Ursache für die jüngsten Gewaltausbrüche gewesen. Nach muslimischem Glauben ist der Prophet Mohammed von dort in den Himmel aufgestiegen. Hier stand der von den Römern zerstörte jüdische Tempel, heute beten an der Stelle Muslime in der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom. Der heilige Ort steht offiziell unter muslimischer Verwaltung. Juden dürfen ihn besuchen, aber nicht überall dort beten. Sie beten an der stehen gebliebenen Westmauer des Tempels, der Klagemauer. (som/KNA/dpa)

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