Theologe gegen "Einkauf" von Priestern aus armen Ländern
Der Pastoraltheologe Christian Hennecke sieht die Weihe von Frauen oder verheirateten Männern nicht als Patentrezept für einen kirchlichen Neuanfang in Europa. "Dann würde sich die überstrukturierte Versorgungskirche bloß fortsetzen", sagte er am Rande einer ökumenischen Tagung im schweizerischen Fribourg der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress (Freitag). "Wir haben in Europa immer noch eine enorme Anzahl von Priestern, die nicht verhindern konnte, dass wir als Kirche nicht so lebendig wirken wie anderswo", so der deutsche Priester und Theologe.
Dass reiche Nationen Priester aus ärmeren Weltgegenden "einkaufen", sei nicht gerecht und deshalb auch keine Lösung für den Priestermangel im Westen, sagte Hennecke. Er rief die Kirche dazu auf, sich einzulassen "auf die Wirklichkeit dieser Welt". In Kitas, Schulen, Jugendverbänden oder Initiativen für Benachteiligte lasse sich herausfinden, "wie man das Evangelium heute buchstabieren kann". Derzeit werde die "Apostelgeschichte neu geschrieben" - mit offenem Ausgang, denn Kirche sei immer im Modus des Werdens.
Hennecke ist Leiter der Hauptabteilung Pastoral in der Diözese Hildesheim und war acht Jahre für die Priesterausbildung des Bistums verantwortlich. Er äußerte sich am Rande der ökumenischen Studientage "In Christus - Gemeinsam zur Mitte" in Fribourg. (KNA)