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Weltweiter synodaler Prozess läuft seit fünf Jahren

Theologin Csiszar: Synodalität ist kein Projekt mit Ablaufdatum

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Theologin Klara-Antonia Csiszar spricht bei einem Vortrag
Linz - Vor fünf Jahren hat Papst Franziskus den weltweiten synodalen Prozess gestartet. Warum Synodalität nicht an ein Ende kommen sollte, erklärt Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar im katholisch.de-Interview.

Die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar gehört zu den führenden Expertinnen für Synodalität in Europa. Sie ist Dekanin der Fakultät für Theologie an der Katholischen Privatuniversität Linz und leitet die Abteilung für Synodalität. Sie war theologische Beraterin der Weltsynode und organisierte zuletzt im österreichischen Wels die Tagung "Shaping Synodality in Europe". Im katholisch.de-Interview spricht sie über die Tagung, Kritik an Synodalität und die Frage, wie das Konzept sich an der Basis vermitteln lässt.

Frage: Kürzlich ging im österreichischen Wels das europäische Synoden-Treffen "Shaping Synodality in Europe" zu Ende. Welche Botschaft ging von diesem Treffen aus?

Csiszar: Es war Beziehungsarbeit auf Europaebene. Menschen aus verschiedenen Kontexten in Europa sind zusammengekommen und haben an 21 Tischen miteinander gesprochen. Wir waren 187 Personen, 29 Bischofskonferenzen und 31 Länder waren insgesamt vertreten und haben in 4 Sprachen miteinander gesprochen. Das war eine spannende Erfahrung, weil wir Schritt für Schritt lernen müssen, in Europa wieder zueinander zu finden. Einige der Vertreter waren schon bei dem europäischen synodalen Treffen 2023 in Prag dabei – und waren nun begeistert.

Frage: Inwiefern?

Csiszar: Sie haben gesagt: "Wir haben was dazugelernt." Und das sehe ich genauso: Man muss sich nicht gleich gegenseitig die Katholizität absprechen, nur weil etwas nicht überall genauso funktioniert, wie bei mir zu Hause. Die Möglichkeiten, die wir im deutschen Sprachraum haben, wird eine Diasporakirche beispielsweise niemals haben. Plötzlich hat die Kirche in einem anderen Land aber ein Gesicht – und von Angesicht zu Angesicht sage ich nicht so schnell: "Du bist nicht mehr katholisch, weil du dieses oder jenes denkst." Dieses gewachsene Vertrauen zueinander war förmlich zu spüren.

Frage: Am Ende der Tagung haben Sie sich für ein europäisches Kirchenforum ausgesprochen. Wie kann so ein Forum aussehen?

Csiszar: Meine Idee war, dass es schade wäre, wenn das nur eine einmalige Erfahrung wäre. In Europa hatten wir die Tradition der Symposien, die in den 1980er und 1990er Jahren vom Rat der europäischen Bischofskonferenzen CCEE organisiert wurden. Dort wurden immer wieder gesellschaftsrelevante Themen kirchlich reflektiert und theologisch gedeutet. Daraus sind gute Erklärungen entstanden, die ich bis heute in meinen Lehrveranstaltungen zitiere. Ich würde mir wünschen, dass auch heute solche Erklärungen zu brennenden Themen verabschiedet werden, hinter denen fundierte Beratungen und viel Arbeit stecken. Solche Orientierungen der Kirche bräuchte Europa mehr denn je. Solche Treffen könnte es dann alle zwei Jahre geben.

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Frage: Es gibt immer wieder Kritik daran, dass Synodalität vor allem bedeute, neue Gesprächsrunden, Foren oder Gremien zu gründen. Wie reagieren Sie auf diese Kritik?

Csiszar: Dieses Forum sehe ich nicht als Gremium, sondern eher als Werkstatt, um gesellschaftsrelevante Themen zu beraten und Synergien zu nutzen. Ich würde grundsätzlich davon abraten, dass – vor allem im deutschen Sprachraum – neue Gremien entstehen. Wir haben schon sehr viele Gremien, die manchmal besser zusammengelegt werden könnten. Da würde ich mir wünschen, dass wir uns die Brille der Synodalität aufsetzen, um zu erkennen, wo es Nachjustierungen braucht, damit sie tatsächlich auch Vielfalt abbilden.

Frage: Vor rund fünf Jahren hat Papst Franziskus (2013–2025) den weltweiten synodalen Prozess gestartet. Welche Entwicklung hat Sie im Rückblick auf diesen Prozess am meisten überrascht?

Csiszar: Überrascht hat mich relativ wenig. Ich habe meine Habilitation über eine Diözesansynode im Bistum Satu Mare in Rumänien geschrieben, an der ich selbst zwischen 2001 und 2004 als jüngste Stimmberechtigte teilgenommen habe. Dort war der Wunsch, das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) zu implementieren und in den Kontext der Ortskirche zu übersetzen. Dabei habe ich die gleiche Dynamik entstehen gesehen, die ich jetzt auch weltweit vielerorts sehe. Zwischen 2017 und 2021 war ich theologische Beraterin der Diözesansynode in Zrenjanin in Serbien – und auch da gab es die gleiche Dynamik. Fromm gesprochen könnte man sagen, dass der Heilige Geist jedes Mal tatsächlich ertastbar gewesen ist.

Frage: Seit einiger Zeit liegt schon das Abschlussdokument der Weltsynode vor, gerade läuft die Implementierungsphase. Der Prozess geht also weiter. Kann der synodale Prozess der Weltkirche überhaupt an ein Ende kommen?

Csiszar: Ich hoffe nicht! Ich hoffe, dass es zu einer Kultur des Miteinanders wird, in der wirklich alle in der Kirche willkommen sind und niemand ausgeschlossen wird. Franziskus hat das mit dem berühmten "Todos, Todos, Todos" beschrieben. Bei der ersten Kontinentalversammlung hatten wir das Bild des gemeinsamen Zeltes, in dem alle Platz haben. Wenn mit der Kirchenversammlung 2028 alles beendet wäre, wäre das aus meiner Sicht ein ekklesiologisches Problem. Synodalität ist kein Projekt mit Ablaufdatum, sondern beschreibt, wie Kirche ihrem Wesen nach lebt und ihre Sendung wahrnimmt. Würde der Prozess einfach enden, hätten wir die Getauften als Trägerinnen und Träger des Glaubenssinns einmal befragt und dann wieder zu Zuschauern gemacht. Und viele Menschen, die sich für diesen Weg begeistert haben, würden erleben, dass er ins Leere läuft.

Papst Franziskus und Kardinal Robert Francis Prevost
Synodalität gehörte zu den Herzensanliegen und Kernthemen im Pontifikat von Papst Franziskus. Er initiierte den weltweiten synodalen Prozess. Franziskus' Nachfolger, Papst Leo XIV., führt das Projekt nun fort.

Frage: Papst Leo XIV. hat den synodalen Prozess von Papst Franziskus übernommen und weitergeführt. Erkennen Sie Unterschiede darin, wie die beiden das Thema Synodalität begreifen?

Csiszar: Ja, es gibt verschiedene Aufgaben in den beiden Pontifikaten. Papst Franziskus war eher die prophetische Stimme, die mit diesem Projekt viele begeistert hat. Sein Nachfolger ist nun dafür zuständig, diesen Prozess und seine Ergebnisse nachhaltig zu sichern. Dafür braucht es ein anderes Temperament. Daher halte ich diese Abfolge für glücklich. Nach einem Propheten, der die Türen aufgeschlagen hat, braucht es jemanden, der das Begonnene auf Dauer verankert. Ich würde aber nicht behaupten, dass Synodalität für Papst Leo nicht gleichermaßen wichtig wäre. Er spricht immer wieder davon und hat dem Thema auch einige Seiten in seiner Enzyklika "Magnifica humanitas" gewidmet. Daher bin ich guter Dinge, dass Synodalität nicht wieder irgendwo verschwindet, sondern dass sie zu einer nachhaltigen Kultur überführt wird.

Frage: Nach wie vor gibt es – auch von Bischöfen – Kritik am synodalen Prozess und dem Konzept Synodalität allgemein. Woran liegt das?

Csiszar: Das liegt in der Natur der Sache. Jeder Reformprozess hat Kritiker und das ist auch gut so. Das Einzige, was Menschen ändert – Befürworter wie Kritiker – sind Begegnungen. Ich habe kein anderes Rezept. Es braucht das Zuhören und eine gewisse Offenheit als Vorleistung. Ein Beispiel: Wenn ein Pfarrer den Sonntagsgottesdienst von 9 Uhr auf 10 Uhr verlegt, wird es dafür in der Gemeinde auch sofort Befürworter und Gegner geben. Das hat nicht nur inhaltliche Gründe, sondern hat oft auch etwas damit zu tun, dass das Tempo nicht passt und bestimmte Fragen nicht gestellt wurden. Manchmal gibt es auch Unterschiede beim Wissen oder beim Zugang, oder mir sind einfach die Protagonisten unsympathisch. Die Kunst liegt darin, dass aus dieser Vielfalt nicht Spaltung wächst, sondern eine Einheit, die Unterschiede aushält.

Frage: Inwiefern kann Synodalität ein Konzept sein, um die unterschiedlichen Flügel innerhalb der Kirche zusammenzuführen?

Csiszar: Wenn wir die Kritiker nicht meiden, sondern mit ihnen Zeit verbringen und ihnen zuhören, dann geschehen Wunder. Wo ich den anderen nicht von meiner eigenen Position überzeugen will, sondern neugierig auf seine Position bin, da gibt es die Chance auf positive Erfahrungen. Das habe ich schon sehr oft erlebt. Natürlich gibt es auch Gegner, die überhaupt nichts mit Synodalität zu tun haben wollen und jeglichen Dialog verweigern. Von diesen Menschen spreche ich nicht. Ich meine jene, die wirklich an einem Gespräch interessiert sind.

Ich denke, so sollten wir Erfolg in der Kirche nicht mehr messen. Von der Vorstellung, Menschen für die Kirche zu rekrutieren, haben wir uns schon vor Jahrzehnten verabschiedet.

Klara-Antonia Csiszar zur Kritik, Synodalität habe nicht zu mehr Messbesuchen oder Sakramentspendungen geführt

Frage: Wenn ich sonntags in einem Gottesdienst die Gemeindemitglieder frage, was Synodalität bedeutet und was sie damit verbinden, werde ich wahrscheinlich nicht viele Antworten bekommen. Was muss passieren, dass Synodalität nicht abstrakt bleibt und sich alle auch an der Basis mitgenommen fühlen?

Csiszar: Auch wenn manche mit dem Wort Synodalität nichts anfangen können, mit einem guten, konstruktiven Miteinander, das auf die Zukunft ausgerichtet ist, können sie etwas anfangen. Oder mit der Art und Weise, wie wir unsere Beziehungen leben wollen. Damit kann jeder von uns etwas anfangen – auch außerhalb der Kirche. Im Abschlussdokument der Weltsynode ist immer wieder die Rede von der Umkehr der Beziehungen. Ich bin überzeugt, dass unsere Gesellschaft damit etwas anfangen kann, wenn sie will. Und es wäre auch ganz dringend ratsam, dass wir angesichts der Demokratiegefährdung daran arbeiten.

Frage: Wenn wir konkret auf eine Gemeinde schauen: Was müsste man tun, um Synodalität konkret im Gemeindealltag umzusetzen?

Csiszar: Ein Beispiel nur. Ich bin sehr oft umgezogen und war dementsprechend sehr oft neu in einer Gemeinde. Dabei habe ich noch nie erfahren, dass ich als Zugezogene in einer Gemeinde per Brief oder sonst wie begrüßt wurde oder gar zu einem Austausch eingeladen wurde. Wie schwierig ist es, als Fremde in eine Gemeinde hineinzukommen? Das ist sehr schwierig, und diese Erfahrung machen viele Menschen in unseren Tagen. Damit fängt es an und dazu können kreative Köpfe viele Ideen hervorbringen, was man noch alles machen könnte. Eine Grundfrage könnte sein: Wen haben wir nicht im Blick?

Frage: Papst Franziskus war es wichtig, dass Synodalität auch zu Mission führt. Einige kritisieren, dass der synodale Prozess noch nicht dazu geführt habe, dass – gerade in Westeuropa – mehr Menschen zur Messe gehen oder die Sakramente empfangen. Ist das ein falscher Schluss? 

Csiszar: Ich denke, so sollten wir Erfolg in der Kirche nicht mehr messen. Von der Vorstellung, Menschen für die Kirche zu rekrutieren, haben wir uns schon vor Jahrzehnten verabschiedet. Papst Franziskus hat immer wieder betont, dass die Kirche durch Anziehung wächst, wenn wir den Menschen etwas anbieten können und sie sehen, wie wir mit den Menschen umgehen. Dann werden sie schon Interesse bekommen. Wir sehen ja – beispielsweise in Frankreich mit der stark gestiegenen Zahl von Erwachsenentaufen –, dass die Gottesfrage in Europa wieder zunehmend gestellt wird. Da gibt es verschiedene Entwicklungen, die ich sehr spannend finde. Aber wir sollten tatsächlich nicht daran messen, wie viele Menschen plötzlich mehr in der Kirche sind, sondern wie gut das Miteinander ist, das wir in unseren jeweiligen Kontexten gestalten konnten.

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