Theologin: Tätige Teilnahme bei Onlinegottesdiensten sogar besser
Für die Theologin Elisabeth Fritzl bieten Onlinegottesdienste mitunter mehr Möglichkeit zur Beteiligung der Gläubigen als gewöhnliche. Sie habe erlebt, dass die aktive tätige Teilnahme "bei diesen Feiern wesentlich spürbarer als bei Gottesdiensten in Präsenz" gewesen sei, schreibt die Grazer Pastoralreferentin in einem am Dienstag veröffentlichten Beitrag des Online-Portals "feinschwarz.net". Ein weiterer Vorteil digitaler Formate sei die Möglichkeit, unabhängig vom Wohnort teilnehmen und damit auch auf weltkirchliche Ebene Gottesdienst feiern zu können, so Fritzl.
Auf die ersten Gottesdienste, die in ihrer Pfarrei zu Beginn der Pandemie gestreamt wurden, schaue sie allerdings "mit Unbehagen zurück, denn eine Partizipation der Gemeinde war kaum möglich, und spätestens bei der Kommunion habe ich gespürt, dass es nicht ganz stimmig ist", schreibt Fritzl. Dass dies aber durchaus nicht so sein müsse, hätten die weiteren Entwicklungen gezeigt. Durch die Auswahl passender Gestaltungselementen sei eine sehr direkte Beteiligung der Gläubigen möglich: etwa indem persönliche Fürbitten in den Chat geschrieben oder Bibeltexte in verteilten Rollen gesprochen würden. Auch der Einsatz von Musik, bebilderten Folien oder digitalen Pinnwänden schaffe neue Möglichkeiten zur Interaktion, so die Theologin.
Chancen und Herausforderungen
Trotz der Distanz stelle sich in Gottesdiensten, die spezielle für die digitale Durchführung konzipiert wurden, schnell ein Gefühl von Nähe und Gemeinschaft ein. "Das liegt vielleicht daran, dass Menschen vor dem Laptop konzentrierter und fokussierter und somit nicht so leicht abgelenkt sind", vermutet Fritzl. Eine weitere Chance sieht sie darin, mit digitalen Formaten auch Menschen ansprechen zu können, die sonst nicht zur Kirche kommen würden. Insbesondere bei jüngeren Menschen sei "der Klick auf einen Zutrittslink eine niedrigere Hemmschwelle als eine Kirche zu betreten".
Neben der technischen Organisation und der zeitintensiven Vorbereitung nennt Fritzl eine klare Fokussierung auf das Wesentlichste als besondere Herausforderung von Onlineangeboten: "Im digitalen Gottesdienst haben wir sicher eine größere Freiheit in der Gestaltung. Das ist eine Chance und gleichzeitig eine Herausforderung." Sie wünsche sich aber, "dass digitale Feiern weiterhin angeboten werden, einerseits als Experimentierfeld, andererseits als wunderbare Ergänzung zu Gottesdiensten in Präsenz", so die Theologin. Insbesondere zum Streaming von Eucharistiefeiern ohne Gläubigenbeteiligung war im Laufe der Corona-Pandemie eine theologische Debatte entstanden. (mfi)