Trump, die Journalisten und der Papst
Franziskus über Donald Trump: "Lasst den Mann mal machen, dann sehen wir weiter." So hat es der Papst einem Journalisten in die Feder diktiert, während auf allen Kanälen die Vereidigung des US-Präsidenten lief (der Papst sieht seit 1990 nicht mehr fern, so war er frei für den Zeitungsmann). Erste Taten sind von Trump nun gefolgt. Gut ist nach katholischem Befinden der Schutz der Ungeborenen. Der Präsident strich die US-Entwicklungshilfe an Organisationen, die im Ausland Abtreibungen vornehmen.
Nicht so gut ist, dass der Trumpsche Lebensschutz sich bisher weniger auf Geborene erstreckt. Seine erste Amtshandlung war die Aufweichung der Gesundheitsvorsorge Obamacare, von der das ärmste Drittel der US-Bevölkerung profitierte. Wie diese Leute nun an eine bezahlbare Vorsorge kommen, hält Trump geheim. Den Komplettausbau der Mauer zu Mexiko will er vorantreiben. Das Leben von Migranten, die vor todbringenden Umständen flüchten, wiegt für ihn weniger als das der US-Bürger. „America first“. Das ist ungefähr so christlich, als hätte Jesus gesagt: „Jews first“.
Als Journalistin soll ich mich nicht fixieren auf "bad news", auf Skandale, Krieg, Terror und menschliches Scheitern, rät der Papst in seiner jüngsten Medienbotschaft uns Schreibenden. Stattdessen soll ich mir einen Deutungsschlüssel zurechtlegen, der das Wichtige auswählt, in Zusammenhang setzt und das Große anvisiert. "Die Wirklichkeit hat in sich selbst keine eindeutige Bedeutung", schreibt der Papst, "alles hängt von dem Blick ab, mit dem sie eingefangen wird."
Was katholische Journalisten (alle anderen natürlich auch) mit Trump tun müssen, ist tatsächlich das: Ihn erst mal machen lassen, darüber unaufgeregt und neutral berichten. Leicht fällt mir das nicht. Der Mann tritt ja auf wie ein wildgewordener Büffel. Grimmig reißt er dem Assistenten das Dekret aus der Hand, das er unterschreibt und sogleich triumphierend in die Kamera hält. Doch das Starren auf das grausig Ungehobelte des Herrn Trump, sein sozusagen höfisches Scheitern, bringt uns dieser Tage auch nicht weiter.
Gut, dass in Washington mit Erzbischof Christophe Pierre ein fähiger Nuntius mit Talent zum Ausgleich sitzt. Er wird den Papst und seinen Apparat mit den verschwiegenen und hoffentlich ausgewogenen Informationen versorgen, die für die diplomatischen Kanäle typisch und für die sozialen Kanäle fremd sind. Franziskus hat den Dreiklang vorgegeben: Sehen, urteilen, handeln. Noch sind wir beim Sehen.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.