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Dogmatiker sieht dennoch Klärungsbedarf bei "Amoris laetitia"

Tück: Papst-Kritiker sind "Bulldoggen der Orthodoxie"

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Wien - Seine Kritiker werfen dem Papst vor, mit "Amoris laetitia" die kirchliche Lehre zu verraten. Der Dogmatiker Jan-Heiner Tück kann das zwar nicht nachvollziehen, sieht aber dennoch Klärungsbedarf.

Im Streit um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen nach dem päpstlichen Schreiben "Amoris laetitia" sieht der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück noch Klärungsbedarf. "Amoris laetitia" sei zwar eine "legitime Fortschreibung der bisherigen Lehre" und kein "Traditionsbruch", betonte Tück am Montag in einem Beitrag für katholisch.at, das Internetportal der katholischen Kirche in Österreich. Zugleich hält der Theologe ein klärendes Wort von Papst Franziskus für wünschenswert, um die "feinen Risse" wieder zu kitten, die die "Einheit der katholischen Weltkirche gefährden könnten".

Der durch "Amoris laetitia" eingeläutete "Perspektivwechsel" hin zu einem offeneren pastoralen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen sei legitim, insofern er "ohne die Lehre anzutasten von der Komplexität des Lebens ausgeht und nach pastoral gangbaren Lösungen für Menschen in schwierigen Situationen sucht", so Tück. Schließlich gehe es dem Papst um eine theologische Neubewertung, in der er sich auf eine Deutung der Sakramente als "Heilmittel" und nicht als "Belohnung für Vollkommene" festgelegt habe.

Ein Mann hält das Papstschreiben "Amoris laetitia" in der Hand
Auch eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des Papstschreibens "Amoris laetitia" halten die Diskussionen an.

Die Papst-Kritiker würden sich angesichts dieser dogmatisch durchaus haltbaren Weichenstellung indes "gerieren wie Bulldoggen der Orthodoxie", indem sie etwa den Papst unter Häresieverdacht stellten. "Als käme ihnen die Definitionshoheit zu, über die mangelnde Rechtgläubigkeit eines Papstes zu befinden." Tatsächlich sei gerade die Tradition, auf die sich die Papst-Kritiker gern berufen, "vielschichtiger, als es ihre Verteidiger wahrhaben wollen".

"Amoris laetitia" habe allerdings einen weiten Interpretationsspielraum eröffnet, so Tück. Wenn etwa die Bischofskonferenz eines Landes den Sakramentenempfang für Wiederverheiratete weiterhin ablehne, dieser jedoch in anderen Ländern erlaubt werde, zeigten sich darin eine "pontifikale Leerstelle" und "feine Risse". Diese könnten auf Dauer "die Einheit der katholischen Weltkirche gefährden". (rom/KNA)

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