Über Kultur spricht man nicht gern
EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei sind in diesen Zeiten nicht gerade der Renner. Was soll man machen: sie abbrechen, einfrieren oder schleppend weiterlaufen lassen? All diese Vorschläge setzen das Drama fort, das wir seit Jahrzehnten kennen. Es ist ein ewiges Gewürge – und fast schon lächerlich. Seit den sechziger Jahren hat die Türkei eine Zusage für die Mitgliedschaft, aber sie war davon noch nie so weit entfernt wie jetzt.
Dazu kommt, dass die EU noch nie so recht wusste, was sie in diesem Punkte eigentlich will. In der ja nicht ganz unwichtigen Frage, wer zu ihr gehören soll und wer nicht, herrscht Unklarheit. Die führte dazu, dass im Laufe der Jahre Länder aufgenommen wurden, deren Beitritt mindestens zu früh kam.
Welche Beitrittskriterien sollen den Ausschlag geben: historische, geographische, wirtschaftliche? Keines scheint überzeugend zu sein. Es ist interessant, dass in Brüssel in diesem Zusammenhang über das kulturelle Kriterium kaum geredet wird: über die Denk- und Lebensweise der Völker. Vielleicht deswegen, weil diese Dinge viel mit Religion und ihrem geschichtlichen Einfluss auf das Leben der Menschen zu tun hat. Aber darüber spricht man nicht gern. Das wäre politisch nicht korrekt.
Dabei fallen gerade bei der Abgrenzung zwischen christlichen und muslimischen Kulturen deutliche Unterschiede des Denkens und Verhaltens auf. Wir erleben das unter uns in Deutschland, und in der Türkei exerziert Herr Erdogan es in krasser Weise vor. Was läge näher, als die Grenzen der Europäischen Union – jedenfalls auch – nach kulturell-religiösen Prägungen der Staaten und Gesellschaften zu definieren? Das wäre ehrlicher und vermutlich nützlicher als die herrschende Orientierungslosigkeit.
Aber dazu muss man ein Selbstbewusstsein haben, das vielen Europäern fehlt. Dabei hätten sie allen Grund, auf viele Aspekte der europäischen Geschichte und der Errungenschaften stolz zu sein, natürlich nicht in überheblicher, sondern in konstruktiver Weise, In anderen Teilen der Welt kann man darüber etwas lernen.
Übrigens darf man an dieser Stelle auch erwähnen, dass europäische Gründerväter wie Konrad Adenauer, Robert Schumann und Alcide de Gasperi überzeugte Christen waren.
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