Ungarische Bischöfe fordern mehr Gerechtigkeit und Dialog
Mit einem neuen Hirtenwort hat die katholische Bischofskonferenz in Ungarn zu gesellschaftlichen Reformen, mehr sozialer Gerechtigkeit und einer geistlichen Erneuerung aufgerufen. Das mehr als 60 Seiten umfassende Dokument unter dem Titel "Für eine gerechtere und geschwisterlichere Welt! – 30 Jahre danach" knüpft an ein gleichnamiges Schreiben von 1996 an und behandelt unter anderem Familie, Bildung, Wirtschaft, Politik und Umweltschutz.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof János Székely, erklärte bei der Vorstellung am Montagabend in Budapest, das Hirtenwort betrachte die ungarische Gesellschaft aus der Perspektive des Evangeliums und wolle Wege zur Lösung ihrer Probleme aufzeigen. Liebe, Hoffnung und guter Wille könnten zur Erneuerung beitragen.
Gegen Kinderarmut und niedrige Renten
Die Bischöfe kritisieren soziale und regionale Ungleichheiten trotz wirtschaftlicher Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte. Besonders Kinderarmut, niedrige Renten und die Lage benachteiligter Regionen bereiteten Sorgen. Zudem fordern sie mehr Transparenz und Redlichkeit sowie bessere Bildungs- und Berufschancen für benachteiligte Gruppen, insbesondere für Roma.
Im Kapitel über das öffentliche Leben betonen sie die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz und gesellschaftlichem Dialog. Hass und Diffamierung lehnen sie ab. Politik müsse dem Gemeinwohl dienen.
Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen
Das Schreiben behandelt auch kontroverse Fragen zu Familie, Lebensschutz, Geschlechtsidentität und künstlicher Befruchtung. Zugleich räumt die Kirche Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen ein und bittet Betroffene und ihre Angehörigen um Vergebung. Die Bischöfe verpflichten sich, Missbrauch vorzubeugen und Fälle konsequent aufzudecken. Mit Blick auf die Umwelt warnen sie vor sinkendem Grundwasser, geschädigten Lebensräumen und schlechterer Bodenqualität. Die Bewahrung der Schöpfung sei auch eine moralische Verpflichtung.
Junge Menschen benötigten Gemeinschaft, Anerkennung und Zukunftsperspektiven. Für eine glaubwürdige Kirche seien Selbstkritik, Dialog und persönliche Beziehungen entscheidend. Christlicher Glaube dürfe sich nicht auf kulturelle Identität beschränken, sondern müsse sich in gelebter Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Versöhnung zeigen.