Suche
Entschädigungssumme in Milliardenhöhe möglich

USA: Missbrauchsopfer verklagen den Heiligen Stuhl

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Blick auf den Petersdom über den Tiber bei Nacht.
New York - In den USA haben sich Missbrauchsopfer zusammengeschlossen und verklagen nun den Heiligen Stuhl. Möglich wurde das durch eine kürzlich erfolgte Gesetzesänderung. Doch ob die Sammelklage überhaupt vor Gericht landet, steht noch in den Sternen.

Sieben Missbrauchsopfer aus den USA haben den Heiligen Stuhl verklagt. Die Sammelklage wurde am Dienstag bei einem Bundesgericht in Manhattan eingereicht, berichtete die "New York Post". "Der Heilige Stuhl wusste über Jahrhunderte, dass katholische Priester ihre Stellungen und Aufgaben in katholischen Pfarreien und Schulen benutzt haben, um Kinder sexuell zu belästigen", heißt es in der Anklage. Die Kläger kritisieren, das "Päpstliche Geheimnis" habe verhindert, dass Kirchenmitarbeiter Missbrauchsfälle öffentlich machten. "Diese verbindliche und geheime Richtlinie wurde mit der Angst vor Versetzung und Exkommunikation durchgesetzt und war für Bischöfe und Diözesen über ein Jahrhundert bindend", so die Klageschrift weiter. Papst Franziskus hatte am Dienstag die Anwendung des "Päpstlichen Geheimnisses" bei Missbrauchsfällen abgeschafft. Diese Entscheidung erfolgte unabhängig von der Klage in den USA.

Vorbereitet wurde die Sammelklage innerhalb der vergangenen zwölf Monate von Jeff Herman, einem auf kirchliche Missbrauchsfälle spezialisierten Anwalt. Herman geht davon aus, dass die Entschädigungssumme mehrere Milliarden US-Dollar betragen könnte. Wegen des "Päpstlichen Geheimnisses" seien "Familien nicht gewarnt worden und Kinder waren pädophilen Priestern ausgesetzt gewesen". Herman bezeichnete die Entscheidung von Papst Franziskus bezüglich des "Päpstlichen Geheimnisses" als "göttlich". Sie zeige "eindeutig", dass das Schweigegebot von oben verordnet worden sei. "Nun haben wir Zugriff auf Informationen, die den Heiligen Stuhl mit der Vertuschung und der Geheimhaltung in eine besondere Verbindung bringen, die zum Missbrauch an Tausenden von Kindern in New York geführt hatten."

Doch eine Annahme der Klage durch das Gericht gilt als unwahrscheinlich. "Der Heilige Stuhl wird von den Vereinigten Staaten als souveräner Staat behandelt und eine Klage gegen eine souveräne Körperschaft ist schwierig", äußerte sich Marci Hamilton von der Organisation "Child USA", die sich gegen Kindesmissbrauch einsetzt, in Medienberichten. Der Kampf für die Rechte von Opfern sei "immer ein langer Weg". Im Recht der USA besteht jedoch die Möglichkeit, andere Nationen zu verklagen. So führen derzeit Familienangehörige von Opfern der Attentate des 11. September 2001 Gerichtsprozesse gegen das Land Saudi-Arabien.

Möglich wurde die Klage der Missbrauchsopfer, durch eine Gesetzesänderung im Bundesstaat New York, die für die Dauer von einem Jahr die zuvor geltenden Verjährungsfristen aufgehoben hat. Zudem wurden sie in einem neuen Gesetz dauerhaft verlängert, um Missbrauchsopfern zu ermöglichen, bis zu einem Alter von 55 Jahren wegen der erlittenen Taten vor Gericht gehen zu können. Aufgrund dieser Änderung könnte in den kommenden Monaten eine milliardenhohe Klagewelle wegen Missbrauchs auf die katholische Kirche in den USA zukommen. (rom)

kna-katholisch-swarm-node1 (0.014s)